Stories

April 2003

In Köln konnte ich vor dem Auftritt der Schweden mit deren Sänger Marco ein paar Worte wechseln. Leider ging Olis Diktiergerät der Saft aus und ich musste mitschreiben. Deshalb bitte ich um Mitleid und Geschenke...

Was war denn die Intention die hinter dem Namen "One Kill Wonder" steht?

Wir wollten damit die Ironie von "Made Me Do It" fortsetzen. Es soll eine Aussage gegen die Medien sein, die es total ausnutzen, wenn Menschen sterben. Sie wollen nicht, dass Menschen sterben, aber Tod verkauft sich eben gut. Als der Sniper in Washington wütete, waren die Medien verrückt danach Fragen zu stellen wie, wer wird als nächstes sterben? Wird er ein One Kill Wonder bleiben oder noch einmal zuschlagen? Darum haben wir im Booklet auch die Texte wie Artikel in Zeitschriften gehalten.

Welche drei Attribute würdest du dem neuen Album zuordnen?

Erwachsener und geradliniger und ähm...

Wie wäre es mit kompakt, da man das Album am Besten am Stück hört?

Ja, das ist gut, darüber haben wir uns einige Gedanken gemacht. Darum beginnt 'Demon Eyes' auch wieder mit einem Intro, weil auf Platte dies das erste Lied der zweiten Seite ist.

Danach lässt man sich erstmal über die Vorzüge einer LP aus, da wir beide das schwarze Gold auf dem Plattenteller bevorzugen. Zurück auf die neue Platte angesprochen erwidert Marco auf die Frage, ob er denn denke, dass die neue Scheibe mehr Death Metal sei:

Ich will mich nicht auf einen Stil festlegen, denn damit limitiert man sich einfach selbst. Beim letzten Mal klang die Platte zu sauber, zu stark überproduziert, es gab keinen Fehler darauf. Viele Leute sprachen uns darauf an, dass wir live eigentlich tausendmal besser klingen, was natürlich nebenbei ein cooles Kompliment ist, da wir uns als Liveband sehen. Aber darum wollten wir dreckiger werden, auch auf Platte mehr nach live klingen. Wir sind mit der Aufnahme im Fredman deshalb auch sehr zufrieden.

Apropos Liveband! Warum spielt ihr eigentlich nur fünf Auftritte in Deutschland, davon drei im oder in der näheren Umgebung des Ruhrgebietes?

Da musst du unseren Booking Agent fragen. Ich habe keine Ahnung. Ich denke es hat wohl was mit verschiedenen Kalkulationen zu tun, die von den Verkaufszahlen abhängen. Andererseits verkaufen wir ein Vielfaches mehr vom neuen Album als beim letzten Mal. Allein in Deutschland haben wir in der ersten Woche 7500 Alben verkauft. Darum kann ich dir keine Antwort geben warum wir nicht mehr Gigs spielen. Im Ruhrgebiet ist die Szene größer, also kann man ruhig etwas öfter spielen.

Öfter mal irgendwo spielen tut auch Herr Amott, z.B. Gitarre bei 'Bloodletting', überraschenderweise klingt er dabei eher nach den Spiritual Beggars als nach Arch Enemy, war das Absicht?

Nein, es ergab sich einfach so. Wir sind gut befreundet und fragten bei ihm an, ob er nicht einen Lead einspielen wolle. Es klang dann zwar irgendwie so 70er mäßig und blueslastig, aber es passte und das war entscheidend.

Was kannst du denn allgemein über deine Texte sagen?

Nun sie sind wie das ganze Album erwachsener geworden. Sie handeln nicht mehr die ganze Zeit vom Töten. Wir sind nun alle in der Band Anfang Dreißig und wollten uns auf wichtigere Themen konzentrieren. Ich möchte aber betonen, dass wir keine politische Band sind. Wir bieten keine Lösungen zu Problemen an, sondern versuchen sie einfach darzustellen und aufzudecken.

Dieses Interview sollte eigentlich bereits vor zwei Monaten im Kasten sein, stattdessen habt ihr nun in Video im Selben. Was kannst du dazu erzählen?

Ja, das haben wir endlich geschafft. Es ist so ein wenig im Stile von Reservoir Dogs (das Debüt von Tarantino - Verf.) gehalten. Wir sind gewalttätig, schlagen den Leuten die Zähne aus und einiges mehr. Deshalb wurden von MTV 2 in England mehrere Szenen mit schwarzen Balken zensiert. Auf Kerrang TV (Wo bleibt Evilrockshard TV? - Verf.) sieht man es allerdings. Hier in Deutschland habe ich keine Ahnung, ob es gezeigt wird. Der verwendete Song ist 'D.O.A.'

Nun, hier sind die Leute allergisch auf so was, darum glaube ich kaum das Viva mit seinem heuchlerischen Peace Zeichen so ein Video zeigt. Aber sollte es nicht eine ganze DVD geben?

Es gibt bereits eine mit verschiedenen Extras, aber wir wollen eine Neue aufnehmen. Momentan sammeln wir Material und filmen sehr viel mit.

Auch im Tourbus und wenn richtig Party gemacht wird?

Ja, auch dann. Allerdings mache ich zwar schon noch Party, aber, da Alkohol und Drogen mein Leben fast zerstört hätten, habe ich völlig damit aufgehört solche Dinge zu konsumieren. (Während des Konzerts lehnte er auch ein angebotenes Bier ab, nahm aber ein Osterei - Verf.) Überhaupt sollte man sich das Leben auf Tour nicht so perfekt vorstellen. Du lebst jeden Tag für einen 1 ½ Stunden Live Auftritt. Da ist viel Langeweile angesagt. Ich bin froh, dass du ein Interview machst, das ist eine schöne Abwechslung. Wir streiten uns in der Band fast schon, wer denn die Interviews machen darf, ha ha. Wenn man dann aber auf der Bühne steht, ist alles vergessen. Man bekommt soviel zurück, dass es sich lohnt.

Denkst du, dass ihr nun in einer Position seid, wo andere Bands von euch beeinflusst werden?

Schwer zu sagen, viele Leute sagen das. Ich denke die Bands bzw. die Musiker sind frei. Sie können die Art Musik spielen, die sie wollen. Ich glaube aber nicht wirklich, dass wir Vorbilder sind.

Was ist aus deiner alten Band Face Down geworden?

Nun ja, das war ziemlich kompliziert. Damals, als Peter (Sjärnvind, spielte auch bei Merciless und Unanimated - Verf.) zu Entombed wechselte, verlor ich meinen einzigen Freund in der Band. Die anderen konnten mich nicht leiden. Es lief alles so nebeneinander her und ich langweilte mich; ich hatte sogar vor, ganz mit der Musik aufzuhören. Doch dann kam das Angebot von The Haunted und ich bin wirklich froh, dass ich weitergemacht habe. Der Rest von Face Down löste die Gruppe nach einer Weile auf und es wird auch keine Reunion mehr geben.

Gibt es denn noch andere Nebenprojekte in der Band?

Jensen hat Witchery (ja, ja so wird aus der Hauptband das Nebenprojekt - Verf.) und ich hatte noch eine Band namens Mantra. Wir spielten so in etwa Richtung Tool, waren allerdings bei Weitem nicht so gut. Leider haben wir aber nie ein Demo aufgenommen.

Mal was ganz anderes, was ist besser guter Sex oder gute Musik?

Oh Mann, das ist schwierig, aber ich sage doch zuerst Sex und dann Musik.

Das lassen wir mal so stehen. Gibt es denn auch bereits Gedanken an ein neues Album?

Zuerst spielen wir noch einige Festivals in den USA und eine Tour durch Skandinavien im September, aber danach wollen wir direkt anfangen mit dem neuen Album, damit nicht wieder soviel Zeit vergeht und wir nächstes Jahr auf den Sommerfestivals in Europa spielen können.

Warst du denn bei den No Mercy Festivals dieses Jahr?

Oh ja, Testament hatten uns nach Mailand eingeladen und so lernten wir auch gleich Death Angel kennen, die sich den Raum mit Testament teilten. Death Angel spielten auch verdammt geil, aber ich hätte mir gewünscht (kurzes Grinsen), dass sie einfach das komplette "The Ultra Violence" Album durchspielen. Enttäuscht war ich von Nuclear Assault, die brachten gar nichts rüber, wobei auch der Sound nicht sonderlich toll war.

Was waren denn deine ersten metallischen Erfahrungen?

Ich glaube es war Ted Nugents 'Great White Buffalo' und Nazareth, da meine beiden Onkels das hörten. Sie waren immer meine Vorbilder, sie waren tätowiert, deshalb bin ich es heute auch und sie haben mich natürlich musikalisch stark beeinflusst. Meine erste eigene Platte war "Peace Of Mind" von Iron Maiden, die ich zu Weihnachten bekam und dann meine Eltern damit in den Wahnsinn trieb.

Deine Lieblingsplatten aus dem letzten Jahr?

Schwer zu sagen, da ich den Markt nicht aufmerksam verfolge. Aber wirklich gut ist das neue Queens Of The Stone Age Album. Ganz stark. Slayer haben mich, auch wenn wir mit ihnen befreundet sind, mit ihrer letzten Scheibe enttäuscht. Eigentlich seit, na ja ich sag mal seit "Divine Intervention".

Deine letzten Worte...

Danke fürs Interview und wenn ihr da draußen uns an einem schlechten Tag seht, kommt noch mal wir machen's besser. Jeder kann mal 'nen scheiß Tag haben.

Christian Kremp






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