Stories

September 2003

Deutscher Thrash Metal á la Destruction ist nicht erst seit dem glorreichen Comeback zur Jahrtausendwende wieder als Gourmet bekannt, doch die Qualität hat gerade durch den letzten Output "The Antichrist" eher zugenommen. Mit "Metal Discharge" entert nun ein neues Scheibchen das metallische Universum. Mike (g.) äußerte sich jedoch nicht nur dazu...

Begin by the beginning! Euer neues Album wird von einer Art leisem Sound, der dann vom vollen Normalsound überlagert wird eingeleitet. Wolltet ihr damit etwas aussagen?

Nö, eigentlich nicht. Das war eine Last Minute Entscheidung und andere Bands wie Slayer oder Fates Warning haben das auch schon gemacht. Da war nichts Besonderes dahinter.

Das Album hört auf den Namen "Metal Discharge", hattet ihr keinen Bock eine Coverversion von der (fast) gleichnamigen Band aufzunehmen?

Na ja, wäre vielleicht etwas zu plump gewesen. Ich muss aber sagen, dass wir auch gar nicht daran gedacht hatten. (lachend) Du hättest ein paar Wochen vorher anfragen müssen, vielleicht wäre es ja dann was geworden.

Ihr habt zwar ein typisches Destruction-Album aufgenommen, aber einige Details haben sich doch verändert: deine Solos scheinen mir ausgefeilter...

Danke, ich habe mir auch mehr Zeit gelassen, zuerst mal auf Band improvisiert und nur wirklich die Solos genommen, die mir zugesagt haben. Außerdem habe ich viel geübt, das könnte auch wein Grund sein!

...deine Rhythmusarbeit klingt irgendwie amerikanischer (technischer)...

Hey, darüber freue ich mich echt, das hört man gerne als Gitarrist. Ich mag amerikanischen Thrash wie Exodus, Testament, Death Angel usw., eh lieber und freue mich, wenn das jemand zu mir sagt. Außerdem gibt es, glaube ich, keine Band, die gerne deutsch klingt. (einerseits ja, andererseits ist deutscher Thrash auch einfach geil - Verf.)

Ich bitte um einen kurzen Kommentar zu 'Ripping The Flesh Apart' und 'Historical Force Feed', da diese Songs eher Midtempostyle haben:

Na wir wollen eben keine Langeweile verbreiten, gerade live können wir zwar nur schnell spielen, aber wir wollen die Fans auch nicht langweilen. Nur schnell ist wohl auch einfach zuviel für die Leute. Man will ja auch mal entspannt bangen. Außerdem ist es immer schön eine neue Schublade zu öffnen. Andererseits ist es gefährlich, weil ältere Fans vielleicht etwas missverstehen. (Ältere Fans: keine Angst, da ist noch genug Destruction drin – Verf.)

Warum habt ihr das Studio gewechselt?

Also zuerst muss ich sagen, dass wir mit Tätgren total zufrieden waren. Er hat einen guten Job gemacht. Aber man kommt leicht in einen Trott rein und versucht nichts Neues mehr. Deshalb sind wir zu V.O. Pulver (Gurd) gegangen, da er schon mal was von uns produziert hatte. Außerdem liegt sein Studio in der Schweiz, also ganz in der Nähe von unseren Wohnorten und man konnte so nach den Aufnahmen viel besser abschalten und den Kopf frei bekommen. Zudem bietet die Schweiz einen weiteren Vorteil gegenüber Schweden. Es ist viel einfacher an was zu rauchen dran zu kommen und ehrlich (grins), so ohne kiffen kann ich auch nicht richtig Gitarre spielen, da fehlt was.

Warum habt ihr euren Drummer gewechselt?

Also zuerst zu Sven: Für ihn war es einfach zuviel, gerade das Touren. Kaum waren wir auf Tour, fing er an zu jammern und wollte wieder nach Hause. Wir aber spielen schon mal zwei Monate am Stück eine Tour. Aber wir haben uns nicht gestritten, sondern das zusammen geregelt. Er hat jetzt sein eigenes Projekt (Jesus Chrysler Superskunk – Verf.) und kann verfahren wie er will. Mark, unser neuer Drummer, kommt aus Berlin (Vielleicht einigen von Orth bekannt, wenn nicht anhören, ist cooler Death Metal – Verf.), wo ein Kumpel von uns studiert. Dieser riet uns, als wir auf der Suche waren, ihn mal anzuchecken. Das passte dann auch direkt gut, denn er konnte die Songs direkt spielen, er geht gerne auf Tour und ist wie wir, schön Rock'n'Roll, macht gerne Party. Das passt einfach gut.

Wie wichtig ist Punk als Einfluss für euch?

Also ich bin eigentlich so'n Halbpunk. Meine Exfreundin war Punk und spielte mir einiges vor. So kam ich rein. Ich liebe diese geile Rotzigkeit und auch die berechtigte Sozialkritik. Meiner Meinung nach ist Punk auch noch lange nicht tot. Ich setze auf eine rebellische Jugend.

Auf dem Full Force hattet ihr Soundprobleme, was war genau der Grund?

Schmier war versehentlich auf mein Kabel getreten und es war gebrochen. Wir hatten das allerdings nicht bemerkt und tauschten direkt den kompletten Amp aus und ich musste auf einem schrottigen Marshall 2000 spielen. Erst danach tauschten wir das Kabel und ich zog den Gig dann eben so durch. Mir hat es zwar keinen sonderlichen spaß gemacht mit diesem Sound zu spielen, aber mir bleib keine andere Wahl.

Ihr spielt nun bald bei den X-Mas Festivals. Findest du es gut, dass dort eine bunte Mischung an Bands bzw. Stilen mitspielt?

Ja, auf jeden Fall. Ich glaube, wenn für jeden etwas dabei ist, findet keine Gruppenbildung statt und nur Death oder Thrash Metal wären für den Fan dann auch zuviel.

Glaubst du, dass der Thrash Metal momentan ein Trend ist oder dass er sich (in größerem Maße) längerfristig etablieren wird?

Schwer zu sagen. Ich würde es mir wünschen, aber ich glaube nicht an Wunder. Für den Normalverbraucher wird diese Musik immer zu hart, zu aggressiv bleiben. Es hängt natürlich auch von den Medien und den Kiddies ab. Es sind leider diese Kleinigkeiten; wird dein Video gespielt, erreichst du mehr Publikum usw. Gute Musik allein genügt nicht. Ich hoffe dennoch das im Thrash noch was geht, wie gesagt die rebellische Jugend.

Würdest du Schmiers Kommentar, dass in den Achtzigern auch nicht alles besser war und vieles mit Nostalgie zusammenhängt zustimmen?

Da stimme ich zu, denn wir spielen heute vor mehr Leuten als damals. Es liefen in den 80ern auch keine Scharen von Metalfans durch die Straßen. Es gab vielleicht mehr langhaarige Leute, aber ansonsten war es viel schwieriger als heute. Metal war gesellschaftlich noch nicht anerkannt, gerade wegen irgendwelchen konservativen Arschlöchern. Persönlich denke ich natürlich gerne zurück, an das erste Konzert usw.

Habt ihr noch Kontakt mit eurem ehemaligen Drummer und jetzigen Polizisten Thomas Senmann?

Ja, wir treffen uns schon noch gelegentlich, da wir immer noch relativ nahe beieinander wohnen. Ab und zu trinken wir dann auch noch was zusammen. Lustigerweise ist er jetzt beim Drogendezernat tätig, hat aber immer noch lange Haare und fängt als Undercoverpolizist arme Kiffer. Mich hat er aber bis jetzt verschont.

Was würdest du von einer metallischen Variante von Popstars halten?

Ich sehe das als Medienmache an, wer Talent hat schafft es auch ohne diesen Quark, wo alle reinreden und dir keine Freiheiten lassen. Zudem sackt Herr Bohlen dann auch noch die ganze Kohle ein. Das ist ein komplettes Produkt unserer Mediendiktatur, die uns alles vorlebt, was wir gerne tun sollen.

Aber du denkst es würde schon laufen im Metal?

Ja, im Prinzip denke ich, dass sich auch hier genug Leute finden würden, um so was mitzumachen, aber es hätte dann einen anderen Rahmen.

Deine All-Time-Top-5:

U.F.O. - Strangers In The Night
Thin Lizzy - Alles, ich habe sie dieses Jahr in Holland auf dem Classic Rock gesehen, absolut göttlich
Exodus - Fabulous Disaster, wobei ich sagen muss, dass sich die neue Scheibe tierisch geil anhört.
Black Sabbath - Masters Of Reality
Deep Purple - Burn
Ich höre diese alten Sachen noch ganz gerne. Ein paar Jahre hatte ich sie nur im Schrank stehen, aber jetzt gefallen sie mir wieder richtig gut. Die Solos haben vielleicht auch damit zu tun.

Dein Musikgeschmack ist also recht breit gefächert?

Ja, ich mag Leute nicht, die z.B. nur Black Metal hören. Die Leute sollen den Kopf auflassen und offen bleiben (dabei hießt es bei uns immer: "Rock'n'Roll mach de Kopp zu" – Verf.)

Deine letzten Worte:

Viel Spaß beim Hören unserer neuen CD, ich hoffe wir sehen uns auf den Konzerten und lasst den Kopf offen.

Christian Kremp






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