Konzerte

Grave Digger
Alestorm

23.Januar 2009

Zu Jahresbeginn war in Halle 101 in Speyer wieder einmal ein hochkarätiges Package angekündigt. Gleich vier Bands aus dem großen Sektor des wahren Metalls gaben sich an diesem Abend die Klinke in die Hand.

Den Anfang machten die Lokalmatadoren von Palace, die sich in der Region schon einen guten Namen erspielt haben und schon verschiedene CD Veröffentlichungen vorzuweisen haben. Sie zockten souverän einen halbstündigen Auftritt runter, der von den meisten der schon anwesenden Fans freundlich abgefeiert wurde. Besonders beeindruckend das Grimassenspiel des Leadgitarristen, der jeden Ton, den er seiner Klampfe entlockte, mit einem eigenen Gesichtsausdruck bedachte. Die allgemeine Zufriedenheit mit der Performance wurde in folgendem Satz, den ein neben mir stehender Metaller zum Besten gab, auf den Punkt gebracht: „Ich hätte nicht gedacht, dass es in Speyer so eine geile Band gibt!“ 30 Minuten Metal in bester 80er Jahre Tradition und leichten Helloween Anleihen.

Danach war es Zeit für ein kleines Bisschen Völkerverständigung der besonderen Art: Die „Storytellers“ aus Saarbrücken (Ihr merkt schon: Saarländer in der Pfalz: immer wieder ein brisantes Thema!) kredenzten ihre Interpretation des metallischen Grundthemas. Dieses Mal waren als Bezugsgrößen Bands zwischen Accept und Metallica auszumachen. Auch diese Jungs nutzten ihre halbe Stunde reichlich aus, um beim Publikum Pluspunkte zu sammeln.

Als nach einer ¼ Stunde Umbaupause die Lichter wieder angingen, wurden schlagartig Dutzende Plastiksäbel kriegerisch in die Luft gehalten. Das konnte nur eine Ursache haben: Die schottischen Piratenmetaller von Alestorm hatten die Bühne geentert und schickte zuerst alle Hemmungen über die Planken. Ich war vom Anblick der drei schottischen Bübchen und ihres neuen deutschen Bassisten ein wenig überrascht, da sie deutlich älter klingen als sie sind… Mit ihren leicht an Running Wild angelehnten Hymnen, die zusätzlich mit reichlich Shanties angerührt sind, brachten sie vom ersten Ton an die Menge zum genüsslichen Bangen und Tanzen. Nach ca. 40 Minuten war dann Schluss und die Bühne wurde für den Top Act hergerichtet.

Grave Digger konnten nun all ihre Erfahrung ausspielen und bauten auf die gute Stimmung, die von den drei anderen Bands schon erzeugt worden war problemlos auf. Ob nun Songs aus der aktuellen Scheibe „Ballads Of A Hangman“ (der Titelsong als Opener), im wahrsten Sinne des Wortes „mittelalterliche“ Stücke von „Knights Of The Cross“ (wie „Lionheart“) oder richtig „olle Kamellen“ wie „Witchhunter“, Grave Digger spielten nicht einfach nur ein Best Of Programm ab, sondern kramten ganz ordentlich in der Klamottenkiste, um auch die Fans zu befriedigen, die sie schon häufiger gesehen hatten. Dabei kam der Band die Hinzunahme eines zweiten Gitarristen zugute, da der Sound durchgehend druckvoller war als früher.

Apropos Sound…. Dieser war immer bei der ersten Nummer bei jeder der vier Bands ein wenig undifferenziert. Das änderte sich jedoch glücklicherweise innerhalb der ersten Minuten. Und auch mir als Konzertveteran fiel angenehm auf, dass man die Ohrenstöpsel nicht wirklich benötigte, um das Konzert unbeschadet zu überstehen. Außerdem ist es sehr löblich, wie diszipliniert sich die Metaller wiederum an das Rauchverbot in der Halle gehalten haben. Soll noch einmal jemand etwas Schlechtes über unsere Zunft sagen!

Diese True Metal Night in Speyer war ein voller Erfolg und man kann sich jetzt schon auf den nächsten Durchgang freuen, wenn an gleicher Stelle im April wieder Palace und u.a. Crematory spielen werden.

Frank Scheuermann






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