Konzerte

Rage
Dead Soul Tribe, The Ordeal

08.Dezember 2004

Nachdem wir in den schönen Freistaat Bayern eingefallen waren um in Aschaffenburg, der Grenzbastion guter Musik in Bayern, eines der 20th Anniversary Konzerte von Rage zu sehen, fand man auf Anhieb den geräumigen Colos-Saal, der wie gemacht für diesen Abend schien.

Vorher standen aber zwei Vorbands aus dem Plan von denen Nummer 1, mit dem Namen The Ordeal, Punkt acht mit der Show begannen. Die Hannoveraner, die im traditionellen Heavy Metal ihre Zukunft sehen, sahen zwar schon etwas gealtert aus, aber solang man nicht tot ist kann man noch rocken. Der Sänger war der Einzige der nicht ins Gesamtbild passte, keine langen Haare, Kapuzenpulli und mit zahlreichen Taschenlampen an Kopf, Arm und Hand bestückt. Der erste Titel war ‚Unchain The Beast’, der gar nicht mal so schlecht war, aber im Publikum wenig Erregung auslöste. Die Länge der Songs war stark unterschiedlich, denn der längste Track war schon an zweiter Stelle der Playlist, ging um die 10 Minuten und trug den Namen ‚The Lion’. Danach flachte die Qualität der gespielten Musik etwas ab und es wurde etwas langweilig. Das Publikum war mehr als skeptisch, aber Applaus wurde dennoch gespendet. Der sich entblätternde Frontmann, der das Licht an seinem Kopf samt Kapuzenpulli entsorgte, schnappte sich eine Akustikgitarre und begann den nächsten Track, der scheinbar nicht allzu anspruchsvoll für den Gitarristen zu sein schien, so dass er kurzerhand seine Zigarette unter die Seiten klemmte um freie Hand zu haben um diese Fingerübung zu meistern. Zum Glück blieb das Niveau nicht bis zum Ende so. Der letzte Song hatte Alles, inklusive eines Singalong Parts. ‚Kill The King’ wärmte die Gemüter an und so wurde der Auftritt doch noch zum Erfolg. Ein positives Fazit wurde von einer kleinen Frage etwas abgedunkelt: Warum hörte man während der gesamten Show nichts vom anwesenden Keyboard?

Nachdem man diesen Gedanken bei Seite geschoben hatte und Dead Soul Tribe das Equipment spielbereit auf der Bühne platziert hatte konnte der zweite Akt des Abends seinen Lauf nehmen. Es wurde enger vor der Bühne, weil diese Band im Gegensatz zu ihren Vorgängern vor diesem Auftritt schon einen gewissen Fankreis um sich scharen konnte, der nun anwesend war. Sänger und Frontmann Devon Graves gab sich bis zur Mitte des Konzerts sehr wortkarg was nicht zur Verbesserung der Atmosphäre beitrug, denn die Band spielte einfach nur von Song zu Song ohne das Publikum zu beachten. Mit der Musik konnte ich persönlich wenig anfangen und auch die Leute in den hinteren Reihen blieben gelangweilt stehen und warteten auf ein Ende der progressiven Soundexperience. Mehr als seltsam und eher im Drogenwahn entstanden schienen die Texte entstanden zu sein wie ‚Some Things You Can't Return’ mit den Zeilen „Houses Have A Memory“ zeigt. Man war von Devons Outfit sehr an Pink Floyd Zeiten erinnert, die sehr von bunten Farben und Drogen inspiriert war. Teilweise hörte man hinter dem ganzen progressiven Protz etwas das nach Korn klang und es wurde interessanter, aber lang hielt dieser Schimmer nicht, denn man musste schon Fan der Band sein um das Ganze genießen zu können. ‚Spiders And Flies’, ‚Waiting For The Answer’ und ‚Waiting For The Answer’ sind ein Ausschnitt aus der Liste der gespielten Songs und selbst bei diesen Songs kann man sich nicht sicher sein, ob des sehr gewöhnungsbedürftigen Gesangstils. Highlights der Show waren ein Zwischenspiel mit einer Querflöte, das an Ian Anderson von Jethro Tull erinnerte und das musikalische Wagnis eine Gitarre mit einem Geigenbogen zum Klingen zu bringen. Glücklicherweise wurde beiden Vorbands die gleiche Zeit eingeräumt, so dass auch Dead Soul Tribe nach 45 Minuten das Feld räumen musste und man endlich Rage erwarten konnte.

Nach dem für meine Begriffe langatmigem Auftritt von Dead Soul Tribe war es nun an der Zeit, für den Hauptprotagonisten des Abends die Bühne zu betreten. Das 20jährige Jubiläum fand dementsprechend auch Berücksichtigung im Intro, dass irgendwie Hollywoodqualitäten verriet. Man wartete nur noch darauf, dass die Stars den roten Teppich betreten, während blaues Schweinwerferlicht durch die Menge huschte und eine Erzählerstimme ehrwürdig auf den Auftritt vorbereitete. Spätestens als Mike Terrana mit den Worten „Are You Ready To Feel The Power Of Rage?“ das Publikum begrüße, wußte man wieder, dass man auf einem Metal Konzert war. Unüblicherweise bestand diese Power zu Beginn aus ,Don’t Fear the Winter’, sodass der Colos-Saal gleich zu Beginn bebte. Der Chorus wurde natürlich lauthals mitgegrölt, was sich, um es vorweg zu nehmen, auch in den folgenden knapp 2 Stunden nicht wirklich ändern sollte. Nachdem die Band auch die folgenden Tracks ,Great Old Ones’ und ,Paint The Devil On The Wall’ flüssig durchzog, wandte sich Peavy erstmals mit seiner Begrüßung an das Publikum. Der Auftritt war zugleich auch eine Premiere für die Band selbst, die zum ersten mal im ehrwürdigen Colos-Saal anwesend war. Das dies kein Fehler war, bewies das Publikum gleich zu Begin mit einem spontanen Geburtstagsständchen für die 20jährige Bandgeschichte. Ein sichtlich begeisterter Peavy ließ natürlich sofort seine Danksagungen folgen, bevor es mit dem Klassiker ,Prayers Of Steel’ aus dem Jahre 1984 weiterging. Ich verzichte an dieser Stelle darauf, auf die einzelnen Tracks einzugehen. Jeder der Rage schon mal live gesehen hat, weiß selbst, wie sehr Songs wie z. B. ,Solitary Man’ oder vor allem ,Down’  live on Stage auf der Bühne knallen. Viel mehr möchte ich noch ein Wörtchen über die Musiker selbst verlieren. Das Instrumental ,Unity’ mag die Gemüter zwar ein wenig spalten, ist aber immer wieder der nachhaltige Beweis für die musikalische Klasse aller Beteiligten. Fester Bestandteil der Show sind natürlich auch die fast schon legendären Drum Soli von, wie er sich selbst nennt, „The Sexiest Drummer Of The Universe, Mike Terrana. Schnell, hart, sanft, - Gegensätze, die er alle in seine Show miteinfließen lässt und die sich glänzend ergänzen. Der Spaß darf dabei natürlich auch nicht fehlen: Mike gibt ein kurzes Ständchen von Frank Sinatra, lässt das Publikum seine Affenimitation nachschreien und vergisst nicht zu betonen, dass seine Lieblingsfarbe blau und seine Lieblingsstadt natürlich Aschaffenburg ist. Gegen Ende fliegt er dann noch in Superman-manier über die Bühne, was dem Publikum sichtlich Spaß bereitete. Was Mike an den Drums, dass ist Victor an der Gitarre. Davon konnte sich an diesem Abend wieder jeder leibhaftig bei dessen Soli überzeugen. Bei vielen Bands werden Gitarrensoli ja oftmals als überflüssig bezeichnet, bei Rage fiebert man schon darauf hin. Deswegen sollte man die Frage „wie macht er das bloß“ schnellstens wieder vergessen und einfach nur genießen. Fehlt eigentlich nur noch ein Soli von Peavy… an diesem Abend gab’s keins, dafür weitere Hits wie ,Soundchaser’ ,Set This World On Fire’ und natürlich das viel umjubelte ,Straight To Hell’ aus dem Film „Der Schuh des Manitu. Nachdem sich die Band kurzzeitig mit dem letzten Song ,Firestorm’ von der Bühne verabschiedete, wurden die Rufe nach einer Zugabe immer lauter, diesem Wunsch wurde dann auch nach kurzer Zeit entsprochen. ‚War Of Worlds’ und die Bandhymne ,Higher Than The Sky’ (überwiegend vom Publikum gesungen) läuteten den Gong für ein wieder mal sensationell starkes Rage Konzert ein, die hoffentlich noch weitere 20 Jahre gehörig in den Hintern treten werden!

Winfried Bulach / Oliver Bender 






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