Konzerte

Christmas Metal Symphony

21.Dezember bis 21.Dezember 2013

Christmas Metal Symphony
Balingen Volksbankmesse
21.12.2013

Wenn es eins an der Vorweihnachtszeit gibt, dass den letzten Nerv rauben kann, so ist es die muikalische Untermalung. Was man Ende November noch als stimmungsvoll empfindet, wächst sich kurz vor den Feiertagen – also nach der gefühlt tausendsten Wiederholung von „Last Christmas“ - zum akustischen Terrorismus aus.
Insofern war ich schon mal gespannt, was die Metal Christmas Symphony als Alternativprogramm bieten würde. Die ist zwar keine bahnbrechend neue Institution – immerhin gibt es sie bereits seit 2008 – doch bisher musste man sich dafür ins Ausland begeben. Auch mit der Kombination von Metal und Klassik hat man das Rad nicht neu erfunden – und so war es vor allem die Auswahl der Sänger, die Appetit machte. Chuck Billy, Michael Kiske, Udo Dirkschneider, Joey Belladonna, Joacim Cans und Floor Jansen: damit hatte man sowohl alters- als auch stiltechnisch ein weites Feld abgedeckt.
Da war es wenig überraschend, dass sich auch das Publikum gut gemischt präsentierte, auch wenn verständlicherweise eher die älteren Semester vertreten waren. Und neben Metalfans aller Stilrichtungen stolperte ich sogar über den einen oder anderen Goten.
Den Anfang machte denn Chuck Billy, der mit „More than meets the eye“ und „Souls of Black“ das Publikum recht schnell auf seiner Seite hatte. Schnell wurde dann der Stab an den Ex-„Helloween“-Sänger Michael Kiske weitergereicht, der bereits mit „March of Time“ punkten konnte. Es folgten „Longing“ und „I want out“.
Dann wurde es Zeit für die Reibeisenstimme von Udo Dirkschneider. Vom „U.D.O.“ und Ex-“Accept“-Sänger hatte man ja bereits im Vorfeld wieder gehört – genauer gesagt von der Schlammschlacht zwischen „Accept“ und Udo bezüglich des Auftrittes in Geiselwind. Spielt aber an dieser Stelle keine Rolle: Udo gab neben „They want war“ mit „I'm a rebel“ und „Metal Heart“ auch zwei Klassiker aus Accept-Zeiten zum Besten. Anders hätte es das Publikum auch gar nicht gewollt, stand hier ja nicht U.D.O., sondern „nur“ Udo auf der Bühne. Es mag vielleicht auch an der Abmischung gelegen haben, aber ich hatte das Gefühl, dass er an diesem Abend etwas angeschlagen war – zumindest hatte ich die Stimme noch einen Ticken härter in Erinnerung gehabt.
Danach durfte Chuck Billy mit „Practice what you preach“ nochmal ein kurzes Testament-Zwischenspiel geben, ehe das Orchester an den Start ging. Apropos Orchester: das immerhin 32 Mann starke MAGNUM OPUS ROCKESTRA, das das Event unterstützte machte seinen Job ja ganz ordentlich. Aber irgendwie ging das Ganze dann stellenweise doch etwas unter. Ob man das jetzt als Gewinn (da unaufdringlich) oder Verlust empfindet, das liegt wohl im Auge Betrachters bzw. Ohr des Zuhörers. Ich zumindest war etwas irritiert, dass man die Jungs nicht noch stärker mit eingebunden hatte.
Nach dem akustischen Schmankerl gab es dann was fürs Auge. Die Rede ist natürlich von Floor Jansen, die mittlerweile (doch) fest als Sängerin für die Finnen von „Nightwish“ werkelt. In zweierlei Hinsicht hatte die Dame am Abend eine Sonderstellung: sie war in der Truppe (abgesehen von einigen Damen im Orchestergraben) die einzige Frau und als Symphonic Metallerin für die eher lieblichen Klänge zuständig. Floor bot eine solide Show, aber hier bin ich wohl auch parteiisch – zum einen, weil ich Nightwish immer noch gern höre, zum anderen weil ich Floor für die Ablösung von Anette Olzon soooo dankbar bin.
Mit „My pledge of allegiance“ und „Alone“ gab es zunächst Lieder von ihrer alten Gruppe After Forever. Dass das Ganze ohne zumindest einen Funken „Nightwish“ endet, stand nie wirklich zu erwarten. Und so gab es denn noch eine Darbietung von „Nemo“. Hier hätte man vielleicht lieber einen anderen Song ausgewählt. Nichts gegen Floors Stimme, aber da es einer der letzten Tarja-Songs ist, hängt hier die gefühlte Messlatte sehr hoch.
Nun war es an der Zeit für Joacim Cans zu übernehmen. „Holy Night“, „Hearts of Fire“ und Last Man standing“ reihten sich aneinander. Meiner Meinung nach der gelungenste Herrenpart des Abends, wenngleich ich mich schwer tue zu sagen warum. Möglicherweise war es die Dynamik, die er vermittelte, ich weiß es nicht. Aber auch der Veranstalter wird sich seinen Teil dabei gedacht haben, dass er gerade Joacim für das abschließende Duett auswählte.
Den vorläufigen Abschluss durfte dann Joey Belladonna machen, der neben einer kleinen „Highway to Hell“-Einlage auch „Heaven&Hell“, Ant-Social“, „Madhouse“ und „Here I go again“ zum Besten geben durfte. Solider Auftritt und nix zu Meckern, auch wenn das Cover etwas aufgesetzt und unnötig wirkte. Hier hätte man durchaus noch mehr aus dem eigenen Repertoire zum Besten geben können.
Es folgte, was so gern folgt, wenn ein Sänger und eine Sängerin eine Bühne betreten. Richtig: ein Duett. Floor und Joacim gaben sich die Ehre und mit „Phantom of the Opera“ hatte man sich einen Song ausgewählt, mit dem man wenig falsch machen konnte (wie sich bereits bei Tarjas Auftritt in Durlach gezeigt hatte). Die beiden harmonierten sowohl stimmlich als auch in der Darbietung.
Gesanglicher Schlussakt war dann – eine Hommage an die Weihnachtszeit – eine Version von „Silent Night“ mit kompletter Besetzung, was auch das Publikum einschloss. Auch wenn ich in der Einleitung viel über totgespielte Weihnachtssongs gelästert habe: hier passte es mal wirklich und ergab einen gelungenen Abschluss.
Vorab konnte der Organisator Horst Franz (Bang your Head, anyone?) noch ein paar Ankündigungen loswerden. So soll es im Jahr 2014 eine Wiederholung geben (so weit, so unüberraschend). Interessanter war da schon die Idee, einen Tag dranzuhängen und noch eine Bang your Head- Weihnachtsfeier zu veranstalten. Man kann nur hoffen, dass das Konzept aufgeht und man Wege findet, auch die Eintagsfliegen des Publikums zu locken. Denn zwei Tage mögen sich gut anhören, sind aber der Tod eines unkomplizierten Abendbesuchs. Gerade angesichts der Zuschauerzahlen, die zwar in Ordnung aber nicht überragen waren, ein gewagter Schachzug.

Als Fazit kann man sagen: Es hat sich gelohnt. Klar, ein paar Dinge hätte man organisatorisch wirklich besser lösen können, aber das ist bei Premieren (und für den deutschen Raum war es genau das) nicht anders zu erwarten. Gerne also nochmal 2014 – vorausgesetzt der Veranstalter schafft es, auch für Tagesbesucher eine Lösung zu finden: zelten dürfte im Dezember nur die hartgesottenste Metalfraktion wollen. Bis dahin hat man hoffentlich auch gangbare Lösungen bei der Fotopolitik gefunden – dem einzigen wirklichen Wermutstropfen für mich. Warum es die Security für nötig befindet Fotos mit DSLR im Zuschauerraum (und wir reden hier von 5 – 10 Metern hinter dem Graben, am Rand der Halle ohne irgendjemanden zu stören) zu untersagen, obwohl man einen Fotopass hat, das wird wohl ebenso ein Geheimnis bleiben wie die Nutzungsbedingungen der kleinen Treppe am Hallenrand (auf die man trotz Absprache mit dem Securityleiter dann doch nicht für ein zwei Hallenimpressionen durfte, obwohl ein Fotokollege dort eine gefühlte Stunde campieren konnte). 

Die dazugehörigen Bilder sind wie immer auf unserer Bilderpage zu finden: www.evilrockshard-gallery.net

KoJe






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