Konzerte

Great Wide Open
Deep Purple, Status Quo

13.Juni 2009
Trabrennbahn, Mühldorf am Inn

Es ist immer ein Wagnis, wenn man versucht, ein Großereignis in einer strukturschwachen Gegend zu etablieren. Man weiß nie so genau, wie das mit der Logistik funktioniert. Aber spätestens der Erfolg des Wacken Open Airs hat es bewiesen: Man kann mitten in der Provinz erfolgreiche und kultige Veranstaltungen auf die Beine stellen.

Und so fand am 13.Juni 2009 in Mühldorf am Inn, gefühlte dreitausend Meilen von der nächsten Autobahnauffahrt entfernt, das erste Great Wide Open statt. Die Veranstalter waren sich wohl nicht ganz so sicher, welches Publikum sie ansprechen sollten und bestellten daher vornehmlich bewährte Hitgaranten der letzten 40 Jahre auf die Bühne, dazu zwei relative Newcomer.

Nachdem ein Kontrabassensemble die Veranstaltung kurz nach 13 Uhr bei absolutem Kaiserwetter auf dem Gelände der Trabrennbahn mit Coverversionen von Metallica bis Deep Purple eröffnet hatte, legte um 14 Uhr der israelische Sänger Aviv Geffen mit seiner Band los. Der Gesangspartner von Steven Wilson (Porcupien Tree) beim Projekt Blackfield begeisterte die langsam zahlreicher werdenden Musikfans mit seinem hervorragend zum sonnigen Wetter passenden leichtfüßigen Poprock. Nach ca. 40 Minuten wurden er und seine Musiker mit großem Applaus verabschiedet.

Nach kurzer Umbaupause betrat die junge italienische San Remo Gewinnerin Dolcenera samt Band die Bühne und bemühte sich erfolgreich darum, die musikalische Lücke zwischen Gianna Nanini und Tori Amos zu schließen. Wenig spektakulär aber sehr sympathisch.

Als nächstes kamen die Hooters an die Reihe und brachten die ultimative Festivalstimmung mit ihrem Gute-Laune-Mix aus Rock, Blues und Folk auf das Festivalgelände. Natürlich wurden die größten Hits 'Johnny B.' und '500 Miles' am meisten gefeiert, aber die lockere Darbietung aus kräftig rockenden Stücken und akustisch-traditionell gespielten Lieder zog über die ganze Distanz die Besucher in ihren Bann. Nach zwei Zugaben mussten sie dann aber doch die Bühne räumen – und man fragte sich: Warum?

Denn das, was dann kam, war die einzige Enttäuschung in einem ansonsten brillant organisierten Fest. Roger Hodgson, ehemaliger Sänger, Pianist und Gitarrist von Supertramp bot nach dreiviertelstündiger Verspätung blutleere in Duobesetzung vorgetragene Luschenversionen von Supertramp Hits. So war denn auch kaum einer traurig, als er nach nur 40 Minuten die Bühne wieder verließ und dabei - Gott sei es gedankt - auch wieder seine Palmen mitnahm, die zuvor die Rockbühne in den ZDF Fernsehgarten umfunktionieren sollten. Nachsitzen!

Pünktlich um 20.15 betrat der erste Headliner die Bühne. Status Quo rockten sich durch ihren Boogie-A-Set als gäbe es kein Morgen! Schon bei der Eröffnung 'Caroline' war klar, dass man auch mit über 60 Jahren noch ein fettes Boogiebrett fahren kann. Vor allem der wie immer witzige Francis Rossi (lead guitar) und der sauber riffende Rick Parfitt ließen die Herzen der sehr zahlreich anwesenden Herzen höher schlagen. Nach etwa 80 Minuten war dann mit dem alten John Fogerty Song 'Rockin' All Over The World' Schluss und die Band machte sich auf den verdienten Heimweg über die B15...

Einigen Musikliebhabern schien das schon zu reichen, denn sie machten sich auf den Nachhauseweg, noch bevor die prächtig aufgelegten Deep Purple die Bühne entern konnten. Die ließen trotz einiger stimmlicher Probleme vin Ian Gillan nichts anbrennen und legten sich mit einer fantastischen Songauswahl mächtig ins Zeug. Dabei wurden Songs der letzten Studioscheibe "Rapture Of The Deep" genauso berücksichtigt wie Klassiker ('Fireball', 'Space Truckin'', etc.). Großartig fand ich persönlich auch, dass eher selten gespielte Nummern wie 'The Battle Rages On' oder 'Wring That Neck' (von "Book Of Taliesyn', 1969!) wieder aufgegriffen wurden. Besonders beeindruckend waren die langen Instrumentaljams, die diese Band wieder dort hinbrachten, wo sie in den 70ern schon einmal waren:, nämlich bei den Progressive und Jamrock Bands. Ob dies der mangelnden Luft Ian Gillans oder künstlerischem Drang geschuldet war bleibt dabei für mich unerheblich, da das Ergebnis schlicht phänomenal war. Kurz vor Mitternacht war dann das Festival zu Ende und die Besucher gingen glücklich aber hundemünde auf den Heimweg.

Für künftige Veranstaltungen könnte man sich noch vorstellen, dass der Bereich für Kinder um einige zusätzliche Spielmöglichkeiten bereichert wird. Ansonsten war es eine großartige und stressfreie Veranstaltung. Mehr davon!

Frank Scheuermann






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