Konzerte

Anguish
Grandma's Last Hope

19.Oktober 2002
Stadthalle, Schönau

Wie es Sänger Nuno schon selbst verlauten lies, dauert bei Anguish alles ein bisschen länger. 6 lange Jahre sind vergangen, bis auf das erste Album das zweite folgte, der heutige Gig war als Präsentationsparty für die neue Scheibe „Symmetry“ gedacht - die schon seit einigen Monaten auf dem Markt ist. Aber wen interessiert das, wenn man bedenkt, dass die Band dieses Event zum größten Teil mit freiwilligen Helfern alleine auf die Beine gestellt hat und der Eintritt zudem noch keinen Cent kostete? Richtig, niemanden, dementsprechend groß war auch der Andrang in der Schönauer Stadthalle. Die Anfahrt dorthin war ein kleines Abenteuer und rangiert in meiner persönlichen Hitliste direkt hinter der Fahrt zum Summer Breeze nach Abtsgmünd. Letztlich haben wir’s dann doch gefunden und warteten frohen Mutes auf das, was noch kommen würde.

Gegen 20.45 Uhr war dann lustiges Lieder raten mit der Supportband Grandma’s Last Hope angesagt, denn es wurden lediglich Coversongs gespielt u. a. ‚Jonny B.’, ‚Wheel In The Sky’, ‚Sharped Dressed Man’ und ‚Nothing Else Matters’. Das Ganze dauerte ca. 70 Minuten, ne halbe Stunde hätte es auch getan. Unsere Skepsis betreffend des Sounds, vor allem der Lautstärke, konnte Nuno kurz vor dem Auftritt entgegen wirken: „Bei uns wird’s ein bisschen lauter werden.“ Er sollte Recht behalten...

Zeitlich lag die Band auch diesmal nicht ganz im Soll, da Bassist Stephan am gleichen Tag die Treppe runtergefallen war und mit dicken Fuß den Abend im Krankenhaus zugebracht hat, so dass sich der Gig etwas nach hinten verschob. Zum Glück konnte er dennoch spielen, mit bandagiertem Fuß und Hocker auf der Bühne.

Gegen 22.15 Uhr war es dann endlich soweit und das Intro zum Opener ‚N.E.W.’ dröhnte aus den Boxen. Wie am Anfang schon erwähnt war der Eintritt frei, die Halle gut gefüllt, dennoch konnte ich mich des Eindrucks nicht erwehren, dass es für viele das erste Metalkonzert war, dafür sprach schon der Sicherheitsabstand, den die große Masse zur vordersten Front hielt. Ganz vorne stand der harte Kern, der dann auch dementsprechend abging. Sänger Nuno fegte von Beginn an wie ein Wirbelwind über die Bühne und dürfte an diesem Abend so einiges an Kilometergeld bekommen haben. Beeindruckend wie mühelos er die mit Sicherheit nicht einfachen Gesangspassagen live umsetzt, klare sowie aggressive Vocals gepaart mit einigen Screams - eine klasse Leistung des Frontmanns. Den Spaß merkte man ihm auch sichtlich an, so dass einige gute Posen für’s Fotoalbum zusammen kamen. Doch nicht nur er, auch die beiden Gitarristen überzeugten durch Spielfreude und Begeisterung. Insgesamt fiel deutlich auf, dass die Band live um einiges härter rüberkommt als auf dem Album. Das lag jedoch nicht daran dass z. B. das Keyboard nicht zu hören war, ganz im Gegenteil. Beim Sound gab es nichts zu meckern, sowohl Keys als auch der Bass waren sehr gut zu vernehmen, dass hat man schon bei einigen Combos ganz anders mitbekommen. Bis auf ‚Maze Of Emotions’ wurden alle Songs des neuen Albums gespielt, sehr geil kamen vor allem die drei ersten Stücke ‚N.E.W.’, ‚Symmetry’ und ‚The Mirror’ rüber. Nicht minder schlechter wurden auch die Songs der ersten Scheibe „Lost Days Of Infancy“ dargeboten, atmosphärisch genial wäre hierbei vor allem ‚I Believe’ zu nennen. Zwischendurch fand man sogar Zeit, den Proggöttern unserer Zeit von Dream Theater zu huldigen in Form eines Covers von ‚Wait For Sleep’. Im Laufe des Gigs konnten Anguish die Zuschauer immer mehr in ihren Bann ziehen, die sich von der guten Laune der Band anstecken ließen. Logischerweise durften auch die Stagediver nicht fehlen, zu denen sich auch Nuno zweimal dazu gesellte. Die letzten zwei Songs hatten es noch einmal in sich. Mit ‚The Heart Collector’ wehte ein Hauch von Nevermore durch die Halle. ‚Swords Of Demokles’ bildete schließlich den Abschluss, vor dessen Darbietung Nuno alle Leute auf die Bühne holte, die in den letzten Tagen an der Organisation für dieses Event mitgeholfen haben. Die ersten 2 Minuten des Stückes wurden sogar von einem Fan dargeboten, der dies gar nicht mal schlecht machte und den Spaßfaktor nochmals nach oben trieb.

Fazit: Anguish spielten knappe 105 Minuten und lieferten eine klasse Show. Es ist der Band hoch anzurechnen, ein solches Event auf die Beine gestellt zu haben und das zudem noch kostenlos. Bleibt zu hoffen, dass sie von Seiten des Labels die Möglichkeit bekommen, auch auf Tour ein überregionales Publikum mit ihrer hervorragenden Live-Show mitzureißen.

Oliver Bender 






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