Konzerte

Red Hot Chili Peppers

23.Juni 2001

Standing in line to see the show tonight....

Als hätten es die Red Hot Chili Peppers schon vorher gewusst. Wie gut die ersten Zeilen der neuen Single auf das, was uns erwartete passen sollten, durften wir drei Stunden lang in Selbsterfahrung vor dem Einlass mit weit über tausend weiteren Eintrittskartenbesitzern teilen. Warten, warten, warten… auf die schwarzen Müllbeutel, die hellblauen Eintrittsbändchen, den Pizzastand von Mario, Showertown und den Titty Twister. Na endlich, der langersehnte Schritt auf das Festivalareal. Erster Weg ? Dixieklo. Das Bier, das uns den Stau und das Anstehen ertragbar, ja fast zu einem Happening gemacht hat, meldet sich wieder. Jetzt heißt es Luft anhalten…eins…zwei…drei…los! Man weiß aus Erfahrung, dass da im Laufe des Wochenendes noch einige Sekunden drin sind. Die erste Runde ist geschafft!

Unsere Erschöpfung entscheidet über unser Lager für die nächsten zwei Tage ? direkt hinter der Dixiereihe, jedoch mit einem Pissstrahl Mindestabstand. Der Sauerstoffmangel weckte uns um neun. Vor drei Stunden ist der Titty Twister seinem Motto „opened from dusk till dawn“ nachgekommen. Dankeschön. Durchlüften. Weiterschlafen.

Gegen Mittag raffen wir uns auf, denn man hat ja bezahlt und will zu Hause erzählen, wen man alles gesehen hat und wie toll es war, dass man sich vor Hitze und Kater kaum bewegen kann und der schlechte Geschmack im Mund mit einem Kaugummi nur viertelstündig zu unterdrücken ist, erzählt man natürlich nicht. Das Bier ist wärmer als die Gemüseravioli. Was soll’s.

Denn wir sind ja nur aus einem Grund hier: The Red Hot Chili Peppers!!

Nach einem langen und heißen Tag zwischen The (International) Noise Consiracy, Soulfly und QOTSA ist’s endlich soweit. Schon während des Ärztekonzerts drängen sich Chilifans nach vorne. Es ist bereits dunkel und die Bühne wird mit zusätzlichen Lichtzylindern und Leinwänden präpariert. Dauert alles viel zu lange…

Unter tosendem Gekreische erscheinen Anthony, Flea, John und Chad auf der Bühne, die ersten Zeilen gehen in der Hysterie Tausender unter. „Standing in line…“ egal, wir kennen den Text ja schon aus dem Internet. Nachdem sich die Massen beruhigt haben, finden wir uns 7 Meter weiter vorne wieder. Perfekt.

Die neuen und durchaus ruhigeren Lieder sprechen das Publikum sofort an, und fügen sich mit den alten Hits homogen in den gewohnten Indie-/Funkstyle. Anthony lässt sich völlig von seiner Musik leiten und John scheint in eine andere Welt versunken zu sein. Ein wenig anders als erwartet wirken die Chilis besonnener und sensibler (als etwa zu blood-sugar-sex-magic-zeiten), was ihrer Musik einen persönlicheren Touch gibt. Die Band hat ihre gemeinsamen Erfahrungen wie Drogenprobleme, Tod, Liebeskummer und Alkohol aufbereitet und in die Songs einfließen lassen. Diesmal jedoch auf eine reifere Art, nicht länger unnahbar und explosiv, sondern vielmehr menschlicher. Diese ganz besondere Stimmung wird durch lange Instrumentalpassagen, Leinwandprojektionen und die Untermalung mit verschiedenen Rottönen verstärkt. Fast zwei Stunden dauert die Show in der sich Song an Song reiht, ohne Pause für unwichtige Phrasen wie „How are you?“ und „I love Germany“. Und dennoch fühlen sich alle den Chilis näher als sonst. Schließlich verabschieden sich John und Flea mit einem Endlos-Instrumental. An diesem Abend fällt es uns schwer das Konzertgelände zu verlassen...

Die Organisatoren hätten keinen passenderen Headliner finden können, der den Geist des größten Indiefestivals besser hätte ausdrücken können. Dankeschön.

Gastredakteur 






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