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Once And Future King - Part 2

Label: Frontiers Records (2003)

Teil eins der Rock-Oper von Ten-Mastermind Gary Hughes ist mittlerweile verdaut - oder eher verdrängt -, und so kann sich der geneigte Leser bzw. Hörer dem zweiten Part dieses Monumentalwerks widmen.

Als neue Protagonisten wirken hier der überragende D.C. Cooper (Ex-Royal Hunt) in der Rolle des Königs Aelle, Dougie White (Malmsteen) als Mordred und Sabine Edelsbacher (Edenbridge), welche Nimue vertont, mit.

Und gerade Cooper stellt sich hierbei als wahrer Gewinn heraus, denn der flotte und unverschämt eingängige Opener ‚Kill The King' ist nicht nur gewohnt souverän eingesungen, sondern entpuppt sich ganz nebenbei als der mit Abstand beste Song des Albums. Ein Schelm, wer nach dem schwachbrüstigen ersten Teil nun denkt, Gary hätte damit fast sein komplettes Pulver zu Beginn verschossen - jedoch hätte man mit dieser Überlegung nicht wirklich Unrecht.

Zwar ist „Once And Future King Part II" im direkten Vergleich mit seinem „Vorgänger" deutlich besser und hochklassiger ausgefallen, aber zu wahren Begeisterungsstürmen kann mich auch die Fortsetzung nicht hinreißen.

Beispiele gefällig? Mr. Hughes intoniert Stück numero zwei, ‚There By The Grace Of Gods (Go I)' - und Wunder, oh Wunder, das Ganze klingt mal wieder wie eine mittelmäßige Ten-Nummer. Es ist schon fast zum Verzweifeln, wenn man mit der Hoffnung und der gerechtfertigten Erwartung, hier mal etwas anderes als bei Garys Hauptband geboten zu bekommen, an diese beiden Platten rangeht. Da hätte es ehrlich gesagt auch nicht dieser Masse an Gastmusikern bedurft, wenn im Endeffekt doch wieder alles gleichförmig und ohne Geist aus den Boxen rauscht.

Aber der Reihe nach. ‚Oceans Of Tears', erneut mit der wirklich toll singenden Lana Lane am Mikro, basiert auf einer Keyboard-Melodie, welche bei irgendeinem schlechten Pop-Song aus den Achtzigern „entliehen" wurde (mir ist blöderweise der Titel entfallen, Anregungen bitte per eMail), und der Refrain sowie die Grundstimmung innerhalb des Stücks lassen den Hörer in Erwartung von Schmalz-Lawinen gen Speaker schauen. Schröcklich.

Mit ‚Rise From The Shadows' bekommt man dann - auch dank einer Irene Jensen in Bestform - endlich mal wieder Up-Tempo-Futter geboten, doch auch dieser an sich ganz gute Song hinkt durch einen allerhöchstens im unteren Durchschnitt anzusiedelnden Refrain. Immerhin rocken Hughes und Kumpanen zu diesem Zeitpunkt mal wieder, anstatt sich in endlosen Kitsch-Orgien zu verfransen. Nichts gegen gefühlvolle Balladen, aber was der gute Gary hier an balladesker Kost bietet, das würde sogar Mariah Carey und Whitney Houston die Tränen in die Augen treiben. Von Nightwish mal ganz zu schweigen.

Wieso man dem fiesen Mordred in Form von Dougie White dann eine fast schon funkig-poppige Nummer zugeschoben hat, bleibt mir auch ein Rätsel. Der Titel ‚The Hard Way' und der Charakter an sich sollten eigentlich genug aussagen, aber das hier klingt in etwa so als würde Prince König Arthur mit einer seiner schnieken Gitarren bedrohen - aua. Dasselbe gilt für ‚Demon Down', welches auf fast schon nervige Art und Weise so etwas wie einen rockenden, treibenden Spirit zu entwickeln. Ging leider in die Hose. Immerhin kann sich Fräulein Edelsbacher bei ‚The Pagan Dream' einigermaßen rehabilitieren, immerhin noch einer der Lichtblicke auf dieser Scheibe.

Bleibt als zu ziehendes Fazit die Erkenntnis, dass Gary Hughes in Sachen Rock-Oper doch lieber Anschauungsunterricht bei Kollegen wie Arjen Lucassen, Tobias Sammet oder David DeFeis nehmen sollte, die haben nämlich allesamt bravourös gezeigt, wie man so etwas richtig und vor allem auch mitreißend, interessant und tiefgängig gestalten kann. Da hilft auch kein tonnenschweres Hintergrundmaterial oder eine famose Riege an Gastsängern etwas, das hier ist musikalisch gesehen einfach biederes Mittelmaß. Wer selbst den schlechten Ten-Songs etwas abgewinnen konnte, der möge hier zugreifen, der Rest der hoffentlich qualitätsbewussten Hörerschaft lässt hier lieber mal die Finger von. Amen.

Rouven Dorn






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