Reviews

Valve Bone Woe

Label: BMG (2019)

Wo soll man denn anfangen, wenn man über Chrissie Hynde ein paar Zeilen loswerden möchte? Damit, dass die aus Akron, OH stammende Sängerin und Gitarristin Anfang der 70er nach Europa gezogen ist und dort die Livebühnen vor allem in Frankreich und dem Vereinigten Königreich unsicher gemacht hat? Dass sie zum Start der Punkwelle zur richtigen Zeit am richtigen Ort war, um mit einem straight inszenierten Rock, der an den Beat der 60er Jahre angelegt war, ähnliche Erfolge mit der Band "Pretenders" zu feiern? Damit, dass sie eine Weile mit dem Kinks-Frontmann Ray Davies liiert war? Darüber, dass sie seit Jahren der Ölmalerei massiv zugetan ist und ab und an nach wie vor die rockigeren Töne auf Platte und Bühne sucht und findet? Darüber, dass sie mit ihren nun schon 68 Lenzen noch eine Hammerfigur abgibt und man schon zwei oder gar dreimal hinschauen muss, um ihr das Alter überhaupt abzunehmen?

Egal was, aber diese Frau traut sich was. Mit "Valve Bone Woe" hat sie nun ihre erste Jazzplatte überhaupt am Start, Wie nicht anders zu erwrtaen, handelt es sich um Vocal-Jazz-Nummern, die einen wundervollen Kontrast zu ihrem bislang zumeist eher ruppigen Rocksound voller Schnoddrigkeit bieten.

Wäre "Valve Bone Woe" auf dem Blue Note Label erschienen, man hätte sich nicht wirklich gewundert. Ihre reife Stimme passt trefflich zu den tollen Arrangements, die niemals im puren Abkupfern des Originals stecken bleiben. Jazz ist nach ihren eigenen Worten die innovativste Musikform das lässt sie bei allem Wohlklang heraus.

Im direkten Vergleich mit anderen Pop- und Rockmusikern, die sich an Jazznummern heranmachen (Rod Stewart, Robbie Williams...) macht sie es sich nicht zu leicht. Einige dormidable Nummern und Instrumentalpassagen sind dabei, die für Gänsehaut sorgen. Dazu - sozusagen on top of it- ihre sinnliche Stimme, die schon mehr als einem Mann den Schlaf geraubt hat, und man hat eine der schönsten Überraschungs-Jazz-Scheiben des Jahres. Ich jedenfalls bin ganz begeistert. Und ich höre mir sonst aus dem Bereich Jazz nur die abgefahrenen Gitarristen an. Toll gemacht!

Frank Scheuermann 

9/10 






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