Reviews

Keeper Of The Seven Keys - The Legacy

Label: Steamhammer (2005)

Warum tun sie sich das an? Das war mein erster Gedanke, als ich den Titel der neuen Helloween Scheibe sah. Warum setzt sich eine Band dermaßen unter Druck, den dritten Teil einer Saga zu schaffen, die zwar zweifelsohne in die Ruhmeshalle des Heavy Metal gehört, aber auch schon 17 Jahre zurückliegt. Helloween leben noch heute von dem Status, den sie sich mit den legendären Keeper Alben selbst geschaffen haben; die jüngsten Releases hingegen ließen oftmals stark zu wünschen übrig (insbesondere „Rabbits Don’t Come Easy’). Wie dem auch sei, die Scheibe ist draußen, einen neuen Drummer hat die Band mit Dani Loeble (Ex-Rawhead Rexx) auch an Bord. Interessanterweise ist einer der beiden Saitenzupfer Sascha Gerster, der vor nicht allzu langer Zeit noch bei den legitimen Helloween Nachfolgern Freedom Call am Start war. Die damaligen Intentionen in Richtung Pop Musik wurden schnell wieder ad acta gelegt, somit schließt sich nun auch dieser Kreis.

Einen Vorgeschmack auf die neue Scheibe gab die Band bereits mit der Mini-CD „Mrs. God“, die bereits für das kommende Album zwei Möglichkeiten offen ließ: „Das wird der ganz große Coup“, so mein Eindruck nach dem überwältigendem ,The King For A 1000 Years'. Zunichte gemacht wurde dieser durch die lächerliche Single ,Mrs. God’, die schlimme Aussichten offenbarten. Nun ist das Album da und die Wahrheit liegt irgendwo dazwischen, wenn auch mit Tendenz in den positiven Sektor. Was ,Mrs. God’ angeht, kann ich nach wie vor nicht verstehen, wie man so was aufnehmen kann; die Nummer ist die mit Abstand schlechteste der ganzen Scheibe und hätte die Mauern des Studios nicht verlassen dürfte. Aber zum Glück gibt es Skip Tasten, die ansonsten bei dieser Scheibe in dieser Form kaum in Anspruch genommen werden. Die Band präsentiert ihr neuestes Werk auf 2 CDs, die ganz klar im Zeichen der beiden Übernummern ,The King For A 100 Years’ und ,Occasion Avenue’ stehen, die zugleich unterschiedlicher nicht sein könnten. Erstgenannter Track brettert in herrlich traditionellem Hellloween Stil durch die Boxen. Hymnische Gesangslinien, höchst melodische Gitarrenparts sowie das richtige Feeling für Takt und Rhythmus eröffnen den Regen, der an eine Wiedergeburt der alten helloweenschen Schule erinnern. ,Occasion Avenue’ hingegen tendiert eher in die moderne Schiene, ist in seinen Grundzügen sehr düster ausgelegt, brilliert mit einem stampfenden Chorgesang und gänsehauterregenden Chorgesängen. An dieser Stelle sei auch ein großes Lob an den neuen Drummer Dani Loeble gerichtet, der exzellent bei den vielen Tempiwechseln sein großes Können beweist und Stefan Schwarzmann schnell vergessen läßt. Andi Deris wird wohl nach wie vor den Vergleichen mit Michael Kiske standhalten müssen (auch wenn dieser mit Metal nicht mehr allzu viel am Hut hat), dennoch muss man dem Frontmann eine starke Leistung attestieren. Der Vielfalt der Songs macht auch bei den Gesangslinien keine Ausnahme, sodass der gute Andi sich vollends entfalten kann. Zu den Faves dieses Doppelalbums zähle ich auf jeden Fall die letzten drei Stücke ,The Shade In The Shadow’ ,Get It Up’ und ,My Life For One More Day’, die alle herrlich unkompliziert nach vorne preschen, womit mal wieder der Beweis angetreten wurde: weniger ist mehr. Die Ballade ,Light In The Universe’ (im Duett mit Candice Night gesungen) kann hingegen nicht überzeugen und kommt etwas gelangweilt rüber. Gleiches gilt auch für ,Do You Know What You’re Fighting For’, dass mit einem hammermäßigen Riffing beginnt, dann aber deutlich abflacht. Alles in allem finde ich die zweite CD dennoch etwas stärker. Dies liegt insbesondere an Stücken der ersten Scheibe wie ,The Invisible Man’ (wirkt etwas kindisch) ,das bereits angesprochene ,Mrs. God’ sowie ,Pleasure Drone’ die allesamt ihre Schwächen haben und oftmals nichts über gute Ansätze hinwegkommen. Dafür klingt das Teil mit ,Silent Rain’ (beginnt lustigerweise mit der Zeile ,He Is God… das wird Mrs. God nicht gerne hören), ebenso stark aus wie der zweite Silberling.

Das Fazit fällt gemischt aus. Das Album ist mit Sicherheit nicht so schlecht, wie viele gedacht haben, aber auch nicht so gut, wie es der Titel vermuten läßt. Da wir es hier auch mit „The Legacy“ und nicht „Part III“ zu tun haben, läßt die Band auch ein kleines Hintertürchen offen. Eine Steigerung ist auf jeden Fall spürbar. Hört’s euch an und urteilt selbst.

Oliver Bender






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