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Dust To Dust

Label: Noise Records (2004)

Heavenly, die Dritte. Nachdem vor allem das letzte Studioalbum „Sign Of The Winner“ doch recht vorhersehbar war und damit nicht mehr als eine weitere Massenware in den CD-Regalen darstellte, fährt man nun mit dem neuen Album „Dust to Dust“ auf einer anderen Schiene. Die Tracks sind allesamt in eine Konzeptstory eingebunden, deren Hauptdarsteller durch die Jahrhunderte wandelt, gebissen von einem Vampir und sich dabei den Mächten widersetzt, selbst zu einem Blutsauger zu werden. Wer denkt da nicht sofort an Interview mit einem Vampir? Der Story entsprechend wurden die Songs in drei Kapitel unterteilt.

Die Frage, wie es Heavenly geschafft haben, die durchaus interessante Story musikalisch anspruchsvoll umzusetzen lässt nur eine Antwort zu: Sensationell! Das Album ist vom ersten bis zum letzten Song eine epische Inszenierung erster Klasse. Ähnlich wie bei der letzten Kamelot Scheibe „Epica“ gibt es auch hier einige Zwischenstücke, die den Plot der Story miteinander verknüpfen. Hierbei tun die Franzosen gut daran, die Musik nicht komplett an der Story auszurichten und umgehen damit den Bombast, für den Blind Guardian bei der letzten Scheibe kritisiert wurden. Gleich vom ersten Track an stehen die Gitarren im Vordergrund, die im weiteren Verlauf gezielt von den atmosphärischen Keys unterstützt werden. Frederic Lelercq und Charley Corbiaux hauen einen Killerriff nach dem nächsten raus, furiose Soliparts und ein teilweise klassisch interpretiertes Spiel drücken den Stücken ihren Stempel auf. Überragend kommen die Drumming Parts rüber, die größtenteils im Doublebass Rhythmus agieren. Dennoch wirkt das Spiel von Ferdy Doernberg höchst variabel, was der gute Mann ja auch von seiner Band Rough Silk gewohnt ist. Überwiegend bewegen sich Heavenly im Speed Metal Bereich, aber vor allem im weiteren Verlauf des Albums werden die Stücke immer komplexer. Auf Doublebassattacken folgen balladeske Züge, treibende Hymnen und stampfende Midtempoparts. Hierbei sei nur einmal ‚Illusion Part 2’ genannt, dass in seinem Wesen stark ,Shine On’ von Gamma Ray ähnelt. Sänger Ben Sotto zeigt sich auf dieser Scheibe zudem stark verbessert. Auf Tour fand ich seine hohen Vocals doch extrem gewöhnungsbedürftig, doch hier zeigt er, dass er auch aggressivere Töne drauf hat, was den Tracks wiederum zu Gute kommt. Interessanterweise wurden sehr viele Vocalparts im Chor aufgenommen, was den epischen Charakter noch einmal verstärkt. Ausfälle gibt es auf diesem Album nicht zu verzeichnen. Die Songs sind allesamt weit über Durchschnitt, da gerät selbst ein Instrumentaltrack wie ‚Hands Of Darkness’ zum wahren Freudentanz. Abgeschlossen wird die Scheibe durch den wunderschönen Titeltrack ‚Dust To Dust’

Heavenly haben mit „Dust To Dust“ einen Quantensprung vollzogen, den ich Ihnen nach den vorherigen Releases nicht zugetraut habe. Eine herausragende Scheibe!

Oliver Bender






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