Reviews

In Disguise

Label: Firebird Records (2005)

Wer hat’s erfunden? Die Schweizer. Wer genau? Harlekin. Doch eigentlich haben die 5/6 Jungs einfach nur aufgegriffen was schon vorhanden war, Rock, und haben Punk hinzugefügt. Genau so werden Erfindungen gemacht, man nehme ein Waffeleisen und baue eine Uhr ein, et voilà. Doch wer kann das nun wirklich brauchen? Vor allem die Schweizer von Harlekin, die sich vor einem Jahr aus einem namenlosen Bandprojekt hervorgetan haben. Nun bringen die Züricher ihr Debüt nach Deutschland, welches bereits im Juni in der Heimat auf den Markt kam.

Was vom Sound her wie dreckiger Rock á la Motörhead, nur nicht ganz so druckvoll, klingt, wird von einer eher weichen und rotzfreien Stimme begleitet, die an eine Band mit weiblicher Frontsau ähh Frau erinnert. Das Punkelement lässt sich nur schwer lokalisieren, doch darüber tröstet einen das nette Gitarrensolo in ‚My Realms’ hinweg. Doch das Manko, der fehlbesetzte Sänger, bleibt weiterhin. Das passt zwar irgendwie zum Namen der Band, doch deshalb muss man sich am Mikro nicht zum Narren machen. Die Abstimmung zwischen Musik und Gesang hätte die Band besser machen können, entweder man spielt den etwas leichteren Punk zu dem diese seichte Stimme in Anlehnung an Blink 182 passen würde oder man engagiert jemand für den Job am Mikro der mehr nach Lemmy und weniger nach Boyband klingt. Man könnte die Scheibe wirklich genießen, selbst wenn es nur instrumental zu Sache ging, denn die Mannen an den Instrumenten beherrschen ihren Job ganz gut. Das Songwriting inklusive Melodien, Soli, Refrains kann sich ebenfalls sehen lassen, worüber sich der eine oder andere Rockfan freuen würde.

Knapp am Ziel vorbeigeschrammt würde ich sagen. Die Band hat zwei Möglichkeiten, eine radikale Stiländerung oder einen Sängerwechsel. Wenn Harlekin eine der Beiden wahrnimmt, dann könnten die Schweizer viel weiter kommen als auf diesem weg.

Winfried Bulach






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