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Genesis Revisited II

Label: InsideOut (2012)

Eigentlich war Steve Hackett nur etwa sechs Jahre seiner beeindruckenden Karriere als Gitarrist bei der britischen Progressive Rock Legende angestellt. Aber augenscheinlich waren diese Jahre so prägend, dass sie weder ihn noch seine Fans jemals loslassen werden. Nun legt er mit "Genesis Revisited II" sein zweites Werk mit Neuinterpretationen seines damaligen Schaffens vor. Das ist natürlich mit einem gewissen Risiko behaftet, da es bestimmt Genesisologen geben wird, die mit dem Kopfhörer genaustens hinhören werden, wo er denn vom Original abweicht oder sich gar frevlerisch an diesen Klassikern vergeht. Diese Gefahr ist auch Herrn Hackett durchaus bewusst. Daher beschränken sich die Neuaufnahmen -wenn überhaupt- auf vorsichtige Innovationen, die sich zumeist in leicht veränderten Soli oder Intros manifestieren.

Ein weiterer spannender Gesichtspunkt sind daneben natürlich auch die Gastsänger, u.a. Steven Wilson, Simon Collins (der Sohn von Phil) und Nik Kershaw. Nicht alle Gesangsleitungen orientieren sich konsequent an den Vorbildern, vor allem "Musical Box" weicht deutlich von Peter Gabriels Vorlage ab. Mich persönlich stört das nicht sonderlich, aber einige Phil Collins Fans betreiben ihr Hobby mit einer ans Religiöse reichenden Leidenschaft. Beim Anhören der Scheibe wird mir mit einem Schlage wieder bewusst, dass nicht der Ausstieg Peter Gabriels das (musikalische, keineswegs das kommerzielle!) Ende von Genesis bedeutet hat, sondern der Ausstieg Steve Hacketts! Die Weigerung der Band, einige seiner Eigenkompositionen (die er ironischerweise auf dieser Scheibe zum Teil noch einmal in Neuversionen präsentiert)aufzunehmen war dann schließlich das Startzeichen für seine musikalisch überaus fruchtbare Solokarriere, die ja bekanntlich kernigen Rock, verspielten Prog, Blues, Folk, Klassik und sogar Jazz bereitzuhalten wusste.

"Genesis Revisited II" war bestimmt ein verzichtbares Unternehmen, das er aber trotzdem stilsicher und gekonnt zu inszenieren wusste. Aber nächstes Mal bitte wieder eine Scheibe mit neuen Stücken!

Frank Scheuermann






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