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High Tide

Label: Esoteric Recordings (1971/2010)

Wenn es jemals eine ungehemmt kreative Epoche in der Rockgeschichte gegeben hat, dann war das zwischen 1967 und 1973. Damals versuchten junge Musiker nach dem Genuss von irgendwelchen Chemikalien, die im Rausch gemachten Erfahrungen in Töne umzusetzen. Das war nicht immer ein Genuss, sprengte aber ein für allemal das billige Drei-Minuten-Schema der bisherigen Popmusik. Seitdem kann man zwischen kreativer, ernster Rockmusik und Popmusik unterscheiden.

Eine der auch damals aus der Masse der progressiven Bands herausragenden Truppen waren mit Sicherheit High Tide, die es damals gerade einmal auf zwei Veröffentlichungen brachten. Angeführt vom außergewöhnlichen Gitarristen Dave Hill und dem nicht minder begabten Violinisten Simon House sprengte ihr harmonisches Verständnis den normalen Rahmen. Darüber hinaus gab es atemberaubende Duelle zwischen den beiden en masse.

"High Tid" ist das Zweitwerk der britischen Band und baut die beim Debüt gezeigten Ansätze noch viel weiter aus. Ewig lange Gitarrenimprovisationen und unglaubliches Geigenspiel sind auch hier Garanten höchsten Hörgenusses. Der Originalkanon der Scheibe umfasste gerade einmal drei Stücke; womit eigentlich fast alles gesagt ist. Diese Esoteric Ausgabe ist (abgesehen vom nicht vorhandenen Pappschuber) identisch mit der Eclectic Ausgabe von 2005.

Leider war nach dieser Platte erst einmal Schluss und Simon House brachte seine Kunst noch bei Hawkwind und David Bowie zu Gehör, bevor es eine spätere Reunion gab, die gut, aber nicht mehr so essentiell war, wie das hier zu Gehör gebrachte Material.

Frank Scheuermann






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