Reviews

A Venom Designed Well

Label: Peaceville Records (2002)

The Great Deceiver sind also eine weitere Band um Tompa Lindberg (The Crown, Lock Up), die unsere Ohren verwöhnen will. Das CD-Cover, modern mit vielen Zahlen, verwirrenden Strichen, in Rottönen gehalten mit unverschnörkeltem Logo und vor allem mit Einzelfoto von Tompa auf der Rückseite (den kennt man, den kauft man) lassen nichts Gutes ahnen und das erste Anhören bestätigt mich auch. Aber dann, je häufiger angehört, zeigt sich, dass die Band diese Vorurteile wirklich nicht verdient. Der (zumindest für mich) moderne Midtempo Death, mit Numetal Einflüssen gespickt, hat doch seine Stärken. Die Rythmussektion mit trockenen, etwas hallendem Schlagzeug und Brummbass unterstützt die Gitarren, die eine öfter als deathige Rythmusgitarre (vielleicht etwas zu zahm), die andere weit vorne, effektbeladen, modern-verzerrt (etwas in die Kornrichtung), und den Sänger, der wesentlich vielseitiger als sonst klingt. Die von z.B. The Crown bekannte Brutalität in der Stimme wird durch einen höheren, flüssigeren Gesangsstil, elektronisch verzerrte oder sogar klare Passagen ersetzt, was dem Stil der Band entgegen kommt. Dieser ist insgesamt schwer zu beschreiben, hat die Band doch einen eigenständigen, melancholisch- hypnotischen Stil entwickelt, der mich öfters ein wenig an My Dying Brides „34,778% Complete“ Album denken lässt. Damit passen sie perfekt zu ihrem Label Peaceville, das immer schon für eigenständige Bands düsterer Prägung wie eben My Dying Bride, Paradise Lost, Anathema u.a. gestanden hat.

Obwohl mir leider keine Texte vorliegen, scheinen die verstandenen Fragmente und die Songtitel (‚Leave It All Behind’, ‚Strychnine’, ‚The Blade’), der Grundstimmung des Albums entsprechend, doch mit persönlicher Problemverarbeitung und Gedanken über Selbstmord zu beschäftigen (Remember At The Gates!).

Die Songs sind ohne Zweifel durchdacht und lassen auch immer wieder neue Details entdecken. Das Niveau ist durchgängig gut, ohne Ausfall, Anspieltipps sind auf jeden Fall ‚Enter The Martyrs’, ‚Leave It All Behind’ (Rythmusgitarre, Schlagzeug). Insgesamt also nix für Highspeedfreaks oder rastlose Menschen, hierfür braucht man Zeit, Ruhe und musikalische Toleranz und dann entwickelt auch dieses Album seine Stärken.

Christian Kremp






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