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Wir haben Bock auf Rock / Geh zum Teufel

Label: Revisited (1977/1978/2009)

Damals war es eine Attraktion für alle Fans harter Rockmusik (wir sprechen von Zeiten, als echte Rocker noch Status Quo und Led Zeppelin Aufnäher auf ihren Kutten hatten!), als Franz K. im Bürgerhaus in Ludwigshafen Oppau gastiert haben. Das war irgendwann Ende der 70er Jahre. Die nach Franz Kafka benannte Band um die Josefus-Brüder hatte bereits einige Jahre zuvor etwa zeitgleich mit Udo Lindenberg und nur unwesentlich nach Ton Steine Scherben eine deutschsprachige Rock LP auf den Markt gebracht. Mit krautrockartigen Songs mit Überlänge und sehr politischen Texten versuchte die Band etwas zu bewegen. Aus heutiger Sicht klingen manche dieser ersten deutschen Textversuche jenseits der Schlagerpeinlichkeit charmant naiv, aber damals war das eine echte Sensation. Und dazu präsentierte die Band dazu harten Boogierock, der dann auf der Scheibe "Trotzdem hart" zur Perfektion getrieben werden sollte, bevor man dann im Lauf der 80er und 90er Jahre fast selbst in Schlagermetier übergewechselt ist...

"Bock auf Rock" war der erste Versuch von Franz K., die ellenlangen Stücke zugunsten kompakter Rocksongs aufzugeben. Und das Grinsen, das mir das Anhören nach all den Jahren aufs Gesicht zaubert signalisiert zumindest mir, dass es der Band gelungen ist. Vom Bekenntnis im Titelsong über die Chuck Berry Adaption 'Bye Bye Johnny' (übrigens 1974 auch schon von Status Quo, den großen Idolen von Franz K. gecovert) bis hin zu 'Condor' befinden sich charmante Songs mit deutlichem Zeitkolorit auf dieser Platte. "Geh zum Teufel" samt seinen Bonustracks ist kaum schwächer und weiß den Deutschrockfan bis heute zu begeistern. Danach folgetn noch das bereits erwähnte "Trotzdem hart" und "Gewalt ist schitt" sowie eine hart rockende Live LP und dann gings musikalisch steil bergab. Aber die Platten der frühen Jahre kann man jedem Nostalgiker jederzeit empfehlen.

Frank Scheuermann






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