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Tear Down This Wall

Label: Bastardized Recordings (2007)

Aus der Taufe gehoben vom täglichen Leben in Berlin, treten Farewell To Words kräftig in den Arsch der Politik, der Prostitution und den anderen Randerscheinungen der Hauptstadt. Das Sextett hat einen Mix aus New School Hardcore, Emo / Screamo, Doom Metal, Chaoscore und Metalcore geschaffen bzw. bezeichnet ihren Stil als Mischung aus eben genanntem. Die fünf Jungs und das Mädel schreiben intelligente und provokative Texte, die der Meinung von Farewell To Words nach Neid bei manch amerikanischer Band auslösen würden. Als Inspiration könnte die Band Walls Of Jericho, Boysetsfire und Evanescence nennen, doch keins der Vorbilder passt genau auf den Stil der Truppe. Doch nun zur Scheibe selbst...

Eine knappe halbe Stunde füllen die Jungs mit ihren fünf Tracks. Geknüppelt und gekrischen wird von der ersten Sekunde bis zum letzten Atemzug, wobei man Farewell To Words nicht einfach so in die Hardcoreecke stellen kann. Sehr melodisch und mit teilweise sehr klarem Gesang, der auch noch weiblich ist, präsentiert die Band ihre zweite, weichere Seite, die durchaus ihren Reiz hat. Evanescence lässt hier wohl deutlich mit viel Einfluss grüßen. Doch der Großteil greift eher auf Walls Of Jericho oder BoySetsFire zurück, so dass eine andere Schublade als der Hardcore wesentlich ungeeigneter wäre. Im Schnitt hat ein Titel auf der Scheibe gut vier Minuten in dem sich der Frontmann seine Seele aus dem Leib schreit, das man Mitleid mit den malträtierten Stimmbändern bekommt. Die melodischen Passagen bieten stets eine Auflockerung und verhindern eine Monotonie im Songwriting, dazu gibt's auch noch eine Portion Wiedererkennungswert der von den klar gesungenen Texten auf den Hörer übergeht. Aus dem letzten Stück der CD hätte man zwei Werke entstehen lassen können und hier muss man leider sagen, dass sich das Ende sehr hinzieht und mit den Instrumenten im Vordergrund auch kein Abwechslungsreichtum in den Sinn kommt, da hier einfach zu lange auf dem gleichen Sound herumgespielt wird.

Obwohl der letzte Kritikpunkt angebracht ist, kann sich "Tear Down This Wall" hören lassen, denn die Paarung aus Evanescence und Hardcore hat schon etwas für sich. Wer sich davon angesprochen fühlt sollte unbedingt ein Ohr riskieren.

Winfried Bulach 






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