Reviews

The Sum Of No Evil

Label: InsideOut (2007)

Sprechen wir über Faulenzer. Sie sind eine arbeitsverweigernde, tagträumende und zumeist durch schlaffes Auftreten provozierende Gruppierung, die andere für sich schuften lässt. Was das mit den Flower Kings zu tun hat? Nichts! Aber auch gar nichts! Nur drei Monate, nachdem uns Roine Stolt mit der letzten FK CD verwöhnt hat (eine z.T. neu eingespielte und komplett umarrangierte Best Of Doppel CD mit fast ausschließlich kurzen Tracks), verwunderte es mich nicht schlecht, als Vorankündigung zu lesen, dass die neue Studioscheibe der Althippies bereits Ende Oktober auf den Markt kommen solle (in einer Zeit, in der andere Bands schon als fleißig gelten, wenn sie alle 3 oder 4 Jahre eine CD aufnehmen...). Kurz darauf die Ankündigung: Der VÖ von "The Sum Of No Evil" wird auf den September vorgezogen (erinnert ihr euch noch an eine Band namens Guns'n Roses, die uns seit etwa zehn Jahren ihr Werk "Chinese Democracy" androhen...und den VÖ immer weiter hinausziehen?). Soviel zum Thema alte Männer! Nun zur Musik.

War "The Road Back Home" im Juni noch prall gefüllt mit kurzen Songs, so füllen sechs Nummern die neue CD komplett aus. Dabei schlägt das epische 'Love Is The Only Answer' mit seinen fast 25 Minuten die drei anderen 13+ Tracks 'One More Time', 'The Sum Of No Reason' und 'Life In Motion' noch um Längen. Aufgefüllt wurde mit den etwas kürzeren Songs 'Trading My Soul' (6+) und 'Flight 999 Brimstone Air' (5+), so dass man bei satten 76+ als Gesamtspielzeit landet. Und wie immer bei Roine Stolt hat alles melodisch Hand und Fuß. Man gibt sich allerdings epischer als noch auf "Paradox Hotel" und weniger bluesig als auf Roines Solo Output "Wall Street Voodoo". Wie immer bei diesen sympathischen Althippies geht es um den Bereich menschlichen Zusammenlebens, ein wenig Metaphysik und das als noch nicht ganz hoffnungslos empfundene alltägliche menschliche Scheitern an genau diesen beiden Phänomenen. Obgleich die kompositorische Handschrift von Herrn Stolt deutlich zu hören ist, erinnert mich 'One More Time' in verschiedenen Sequenzen massiv an Yes. Das ist auch nicht wirklich verwunderlich, da man mit den britischen Ausnahmeproggern das gleiche musikhistorische Erbe teilt.

Vielleicht mag der eine oder andere behaupten, "The Sum Of No Evil" (der Titel ist übrigens eine Umschreibung des Begriffes "Love") komme mal wieder nicht an "Stardust We Are" heran, aber diesen ewig gestrigen Progfans kann man meiner Meinung nach sowieso nicht helfen...Für mich eine der ganz großen Scheiben 2007!

Frank Scheuermann






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