Reviews

Delusions Of Grandeur

Label: Pelagic Records (2012)

Wenn in der heutigen Zeit von CD und iTunes eine Gruppe noch auf Vinyl veröffentlicht, dann liegt die Vermutung nahe, dass es sich entweder um Anhänger der "guten alten Zeit" handelt oder die Gruppe etwas wirklich Wichtiges zu sagen hat. Bei EF scheint es sich eher um Letzteres zu handeln und - so viel sei schon verraten - der Albumtitel "Delusions Of Grandeur" ist glücklicherweise nicht Programm.

Nach immerhin zwei Jahren melden sich die Jungs aus Schweden nach ihrer letzten CD "Mourning Golden Morning" zurück und die Erwartungshaltung ist entsprechend groß. Das titelgebende 'Delusions Of Grandeur' startet schon vergleichsweise hart und bombastisch. Im Laufe der mehr als acht Minuten variieren die Schweden das Tempo aber beträchtlich. Gerade der Gesangspart bekommt einen gewaltigen Platz eingeräumt, bei dem sich die Instrumente teils vollkommen zurücknehmen. Dort wo sie aber zum Zug kommen, etwa gegen Ende des Tracks, zaubern EF einen satten, vollen Klangteppich, der sich sicher auch als Soundtrack gut machen würde.

'Fem', der zweite Song, der zwischen A und B-Seite gesplittet wurde, steht ganz klar unter dem Motto "weniger ist mehr". Was so manche Metalband in ein kurzes Riff packen würde, entfaltet sich hier in knapp viereinhalb (!) Minuten. Wenn man sich den Notenumfang des Songs ansieht, so möchte man zumindest Längen erwarten - aber irgendwie schaffen EF das Kunststück, hier nicht langatmig oder langweilig zu wirken. Stattdessen bleibt der Spannungsmoment, wenn eine Note in der Luft hängt und langsam verklingt, gerade so kurz, dass man doch gebannt wartet, statt gelangweilt zu skippen.

Den Schluss macht 'I Never Felt Like This Before', der sowohl längste als auch abwechslungsreichste Track. Vom leisen Auftakt bis zum ungewohnt rockigen Finale vergehen mehr als elf Minuten, in denen sich sowohl tempo- als auch lautstärkemäßig eine große Spanne findet. Die spoken word- Passagen fügen sich stimmig ein und auch die Choruntermalung zum Schluss wirkt nicht aufgesetzt. Der Anfang des Songs zeigt übrigens ganz deutlich die Stärke der Band, aus wenig viel zu machen: Der Schlagzeugeinsatz ist äußerst dezent, aber wenn das Gehör sich erst einmal an das Tempo und die Lautstärke der Band geeicht hat, wirkt selbst das Flüstern der Snares schon wie Donnergrollen.

Ingesamt überzeugen die Schweden voll und ganz. Spontan fällt mir dazu nur ein Zitat von Antoine de Saint-Exupéry ein: "Vollkommenheit entsteht offensichtlich nicht dann, wenn man nichts mehr hinzuzufügen hat, sondern wenn man nichts mehr wegnehmen kann."

KoJe






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