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Eloy
Eloy

Label: Revisited (1970/ 2008)

Wenn man auf das Thema Krautrock zu sprechen kommt, dann ist der Name Eloy unausweichlich - und nach fast vierzig Jahren auch die Kontroversen über die Einordnung der Band. Von Genie bis Scharlatan wird nahezu jeder Ausdruck zur Klassifizierung dieser Band verwendet. Ich kann sehr gut nachvollziehen, wie sehr beide Extrempositionen in Teilen Recht haben. Einerseits bot die Band anspruchsvolle Kompositionen mit geschmackvoller Instrumentalarbeit, andererseits bot keine andere deutsche Band soviel Angriffsfläche in der Zeit des aufkommenden Punk durch pseudo-bedeutende Texte mit lapidaren Erkenntnissen, die aber so aufgemotzt waren, als wolle man dem aristotelischen Organon noch ein weiteres Werk hinzufügen. Spötter behaupten bis heute, dass Eloy nur aus dem einen Grund bekannt geworden seien, dass sie als erste deutsche Band eine gute PA besessen hätten. Wie auch immer....Revisited legen uns hier die lange vergriffene Debütscheibe der Hannoveraner vor, in einer Replik des ach so seltenen Mülltonnencovers. Wer vor fast 15 Jahren die limitierte Ausgabe von Second Battle verpasst hatte (als Doppel-CD), der kann jetzt diese schmerzliche Lücke schließen.

"Eloy" kommt noch deutlich weniger aufgeblasen und pathetisch daher wie die späteren Werke "Dawn" oder  "Ocean". Es handelt sich eher um einen relativ schlicht gestrickten Hardrock mit Orgelbegleitung. Daher sind gewisse Nähen zu den frühen Birthcontrol auch nicht zu leugnen. Für mich ist diese Platte ein wichtiges Stück deutsche Rockgeschichte - nicht mehr und nicht weniger. Dass die Freaks von Revisited noch drei Bonustracks dazu gepackt haben (von denen einer sogar den Besitzern der Second Battle Edition unbekannt war - allerdings fehlt das dort enthaltene lange Interview mit dem Originalkeyboarder) macht die Platte auch für alle interessant, die sie noch als nahezu unbezahlbares Vinyl-Original besitzen. Ich jedenfalls werde in Zukunft beide Versionen stolz mein Eigen nennen! Selbst wenn Frank Bornemann (Chef und Gründer von Eloy) diese Scheibe selbst immer abgelehnt hat.

Frank Scheuermann






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