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Dead By April

Label: Universal (2009)

Hurra! Da haben wir es endlich geschafft! Die erste reine Boygroup des Heavy Metal ist da! Tusch! Mit zuckersüßen Popmelodien in den Refrains (in allen Refrains!) und knallharten Deathmetal Riffs in Intros und Strophen, das Ganze eingedickt mit Plastiksynthies a la Evanescence und dazwischen authentisch klingende Deathgrowls der etwas gemäßigteren Art. Wenn Ihr Euch jetzt noch gepiercte und tätowierte Bubis mit modischen Klamotten frisch nach einem stylischen Friseurbesuch vorstellt, dann kommt Ihr Dead By April schon ziemlich nahe.

Nun ist es ja prinzipiell erst einmal nicht schändlich, wenn auch ein Musiker versucht, seine Familie zu ernähren, und das geht bekanntlich am leichtesten über die Charts und massives Airplay. Stellt sich also die Frage nach der Substanz der Scheibe. Textlich schwimmt man in der Weltschmerzsuppe anderer zwischen Emo und Metalcore angesiedelter Gruppen mit und hängt deprimiert vergangenen, vergehenden oder zukünftig vergangen seienden Beziehungen nach.

Handwerklich ist alles okay, allerdings gehen mir ein paar der Refrains (ehrlich gesagt fast alle...) direkt danach nur sehr schwer aus den Ohren, was allerdings kein Qualitätsmerkmal sein muss. Denn die meisten davon möchte ich eigentlich gar nicht drinnen haben! So bleibt eine glatt produzierte Popscheibe, die es eventuell vermag, den einen oder anderen Popfan in die Randbereiche des Metallagers hinüberzuziehen - aber für mich, einen alten 70er Hardrock und NWoBHM Veteranen mit respektabler Thrash-Kollektion ist das eindeutig zu wenig!

Frank Scheuermann






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