Reviews

Time For Expiation

Label: Scarlet Records (2004)

Dragonhammer bringen von Haus aus fast alles mit, was italienischen Metal heutzutage auszeichnet: klischee beladener Bandname, dass dazu passende Cover sowie ein gewisse Vorhersehbarkeit der musikalischen Ausrichtung. Aber, man höre und staune, wir haben es hier ausnahmsweise mal nicht mit einem weiteren Rhapsody Abklatsch zu tun und was noch viel erfreulicher ist, man kann sich das Album sogar mehrmals anhören, ohne einen gewissen Einheitsbrei auszumachen. Stilistisch gehen die Songs in Richtung Sonata Arctica, wenn auch nicht ganz so schnell, dafür haben die Tracks allesamt treibenden Charakter. Die sinfonische Komponente spielt bei Dragonhammer zwar eine große Rolle, erdrückt das Songmaterial aber nicht und lässt den Gitarren genug Spielraum, sich frei zu entfalten. Die Keys sind recht variabel gehalten: mal klassisch, mal modern, mal hymnenartig sorgen sie in den Stücken für reichlich Abwechslung und liefern sich auch so manches Duell mit der Leadgitarre (‚Fear Of A Child). Raf Condemi macht an den Drums einen sehr guten Eindruck, glücklicherweise geht das Schlagzeug im Gesamtsound nicht unter, wodurch die vielschichtige Rhythmusarbeit gut zur Geltung kommt. Sänger Max Aguzzi ist ebenfalls kein schlechter. Obwohl die Vocals überwiegend im hohen Stimmregionen angesiedelt sind, klingt er nicht wie der typische 08/15 Shouter, als Beweis für seine gute Gesangsleistung sei hier nur einmal die Halbballade ‚The Pages I Never Wrote’ genannt. Die Songs gehen allesamt recht flüssig von der Hand, ein Ausreißer nach unten ist nicht auszumachen. Trotz alledem fehlt oftmals der letzte Kick, der zündende Funken, der aus einem guten Song ein Highlight macht. Deswegen würde ich lediglich den Titeltrack ‚Time For Expiation’ als überragend bezeichnen, der praktisch als Krönung das Album abschließt.

„Time For Expiation“ ist eine durchaus gelungene Powermetalscheibe, auch wenn man die Übersongs überwiegend vergeblich sucht. Dennoch für Genre Fans allemal eine Anschaffung wert.

Oliver Bender