Reviews

Madmen & Sinners

Label: Frontiers Records (2004)

Tim Donahue versucht sich nach „Into The Light“ (2000) erneut an einem Soloalbum. Um seinem außergewöhnlichen Talent die richtige Note zu verleihen holt er sich keinen geringeren als James LaBrie, den man schon das ein oder andere Mal bei Dream Theater lauschen durfte, ins Boot. Das Line-Up wird komplettiert durch Drummer Mike Mangini, der James bereits während seiner Mullmuzzler Phase tatkräftig unterstützte. Nun können sich die Protagonisten ans Werk begeben und dem Zuhörer ganze zwei Schaffensjahre des Multitalentes Donahue in 10 Tracks - bei einer Spieldauer von über einer Stunde - zu präsentieren.

Kurze Einleitung und schon geht’s los. ‚Million Miles’ ist der perfekte Einstieg in ein Prog-Album, keine langatmigen Intros, bombastische Gitarren, LaBrie in gewohnter Manier und schwere Drums machen den Opener von „Madmen & Sinners“ zu einem richtig klasse Song. Nach 7 Minuten hartem Riffing kommen in ‚Let Go’ nun zarte Töne aus den Boxen. Per Kirchenorgel wird diese herrliche Ballade eingeleitet, ehe man nur noch den Klängen der Akustikgitarre von Donahue und der einzigartigen Stimme von Mr. LaBrie verfällt. Das Keyboard-lastige ‚My Heart Bleeds’ kann anfangs mit den ersten beiden Songs mithalten, leider ändert sich das im weiteren Verlauf recht schnell. Zunächst stehen die Vocals klar im Vordergrund, denn es geht mal aggressiv, mal verzerrt und mal ganz normal clean zur Sache, doch dann wird für knappe 20 Sekunden ein wahres Feuerwerk an Musikalität abgefackelt, dass einem nur so die Ohren wackeln, aber was sich nun anschließt passt überhaupt nicht ins Bild dieses Tracks. Die letzten drei Minuten des Songs bestehen nur noch aus monotonen und mit der Zeit nervenden Gitarren-Parts, die des Öfteren durch das ein oder andere waghalsige Solo durchbrochen werden. Ich kann mir nicht helfen, aber irgendwie hat das Album im dritten Track einen Knacks bekommen, da hilft auch das wunderbar düstere ‚Feel My Pain’ nicht mehr viel, denn mit ‚Children Of The Flame’ kommt noch ein ziemlich träger und schleppender Song und mit ‚Wildest Dreams’ eine richtig schnulzige Ballade. Dass er es besser kann beweist er ja in den ersten beiden Tracks. Der abschließende Titeltrack ‚Madmen And Sinners’ ist der angesprochene typische Opener eines Albums dieses Genres: langatmiger Einstieg, zudem balladesk und nach knappen vier Minuten wird die Katze aus dem Sack gelassen. Es geht also noch mal richtig rund, aber auch hier geht durch unzählige und oftmals übertriebene Breaks gegen Ende der Rhythmus flöten. Schade.

Tim Donahue sollte bei seinem dritten Solo Werk vielleicht mehr Konstanz reinbringen und ein wenig Selbstverliebtheit rausnehmen, denn zwei Soli in einem kleinen Zwischenpart sind definitiv eins zuviel.

Nils Manegold






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