Reviews

Paranormal

Label: earMusic (2017)

Umtriebig war Alice Cooper in den letzten Jahren schon. Ständig auf Tour, stets neue weibliche Gitarrentalente gefördert, nebenbei zusammen mit Joe Perry und Johnny Depp die neue Version der Hollywood Vampires aus der Taufe gehoben und damit eine Platte und eine Tour gespielt. Nur eines hatte man in den letzten Jahren vermisst: Eine vollständig neue Studioplatte mit echtem neuem Songmaterial. Man konnte gar nicht begreifen, wie ein Geschichtenerzähler wie Alice Cooper so lange darauf verzichten konnte.

Nun ist sie da. "Paranormal" verfügt über das, was man bei einer guten Alice Cooper Scheibe erwarten kann: Einige neue Ideen in moderneren Sounds, dazu ein Hauch Cinemascope-Sound, für den - wie meistens- der Kongeniale Produzent Bob Ezrin verantwortlich zeichnet- und das, was Alice Cooper seit seinen Anfangstage sowieso schon immer am besten gemacht hat: Garagenrock der Extraklasse. 

Bei der Umsetzung haben ihm wie so oft viele Prominente geholfen und sich dabei gegenseitig die Studioklinke in die Hand gegeben. Das ist für mich aber nich der Hauptaugenmerk bei dieser großartigen Scheibe. Vielmehr sind es die letzten beiden Studiosongs, "Genuine American Girl" und "You And All Of Your Friends", die beiden Nummern, die Alice Cooper, der Sänger, zusammen mit Alice Cooper, der Band, eingespielt hat. Die Überlebenden seiner Anfangstage, Hauptsongwriter Michael Bruce (guitars, keyboards), Dennis Dunaway (bass) und Neal Smith (drums), die das Gesamtkonzept vor fast 50 Jahren entwickelt haben, sind mit zwei wirklich coolen Songs am Start, bei denen sie von Gitarrist Ryan Roxie unterstützt werden, der den vor einigen Jahren verstorbenen legendären Gelnn Buxton (der Großmeister an der weißen Gibson SG Custom!!!) ersetzt. 

Wenn es ander Scheibe etwas zu bemängeln gibt, dann ist es die Gesamtspielzeit. Bei der 2CD Edition sind die beiden Songs der Originalband zusammen mit sechs Livetracks als Bonus CD verpackt, wodurch die erste CD gerade einmal eine Spielzeit von etwas über 34 Minuten vorweisen kann. Sen Inhalt beider CDs hätte man also locker auf einem Silbertaler unterbringen können. Aber ansonsten gibt es hier definitiv nichts zu meckern, zumal die Vorabsingle "Paranoiac Personalitiy" auf ganzer Linie zu überzeugen weiß.

Auf der anstehenden Tournee wird zumindest bei den britischen Dates ein komplettes Miniset mit den Originalmitgliedern gespielt werden. Bleibt zu hoffen, dass er diese seit über 20 Jahren diskutierte Live Reunion auch nach Deutschland bringen wird.

Frank Scheuermann

9,5/10






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