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Both Sides (Deluxe)

Label: Rhino Records (2016)

Kürzlich ließ Phil Collins verlauten, er gedenke aus dem Ruhestand zurückzukehren und ein Comeback zu wagen. Die Reaktion im Netz? Es gab keine halbe Stunde später eine Petition, deren Text lautete: "We demand, Phil Collins stay retired!"

Woher der Hass? Hatte Phil Collins in den 80er und 90er Jahren nicht gut und gerne 50 Millionen Platten verkauft (noch dazu seine Platten mit Genesis!)? Das müsste doch für eine hohe Beliebtheit sprechen, oder? Nun, der Knackpunkt ist wohl eher, dass er ab Mitte der 80er einen dermaßen gesichtslosen, glattgespülten und völlig antiseptischen Klang vorangebracht hat, dass man sich heute noch mit großem Schaudern a seine Produktionen, für die er selbst verantwortlich zeichnete, erinnert. Selbst ein Bluesgitarrist wie Eric Clapton wurde auf "Behind The Sun" und "August" zu einem austauschbaren Popfuzzy.

"Both Sides" gehört zu den lebloseren - oder, etwas positiver ausgedrückt- traurigeren Platten in der Welt des Phil Collins. Die glatte Produktion des mittlerweile Einheitssoulpop ist so wie immer - Phil Collins Fans lieben das. Nur eben gefühlsduseliger, oder eben - je nach Gesichtspunkt- ergreifender. Ich komme damit nach all den Jahren immer noch nicht klar, aber die Neuversion ist sehr schön aufgemacht und wird mit ihren vielen Bonustracks die Fans sicherlich noch einmal aus den Seniorenstiften dieser Welt hervorlocken, um zwischen Griesbrei und Nachmittagskaffee (entkoffeiniert - wegen des Herzleidens!), den perfekten Beitrag zum Seniorentanz abzuliefern... ;-)

Frank Scheuermann

7/10 






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