Reviews

Theatre Of Death: Live At Hammersmith 2009

Label: Universal (2010)

Die Frage, die sich bei nicht mehr ganz so jugendlichen Rockern immer stellt, lautet: "Kann er's noch?". Der mittlerweile deutlich ü60er Alice Cooper, oder wie er mit bürgerlichem Namen heißt, Vincent Furnier, hat nach einigen Jahren, in denen er die Showeffekte weitgehend heruntergefahren hatte, wieder Lust auf eine aufwändigere Horrorshow bekommen. Das ist am Thema des Konzertabends "Theatre Of Death" unschwer abzulesen. Die Tricks sind gut, die Bühnendekoration feudal und stilvoll, die Band (wie immer um den ehemaligen Brother Cane Gitarristen Damon Johnson und Bassist John Garric herum aufgebaut) spielfreudig und voller Power. Und der Meister selbst?

Nun, der hat deutlich erkennbar Spaß an der Nummer und lässt sich im Verlauf der Show gleich dreimal hinrichten. Zunächst ist die Guillotine dran, danach der Galgen und zum Abschluss eine Art Eiserne Jungfrau, in der er kunstvoll aufgespießt wird. Das Ganze über gut 1,5 Stunden verteilt. Die Songauswahl ist wie immer toll, bietet einerseits unverzichtbare Klassiker, andererseits bleibt immer wieder Freiraum für schöne Überraschungen. So hat er mal wieder 'From The Inside' und 'Nurse Rozetta' ausgegraben, die beide schon seit fast drei Dekaden nicht mehr berücksichtigt worden sind. Daneben gleich die Klassiker wie 'School's Out', 'I'm Eighteen', 'Under My Wheels', 'Welcome To My Nightmare', 'No More Mr. Nice Guy' und natürlich jüngeren Datums 'Poison'. Es ist erstaunlich, dass komplette Scheiben wie "Hey Stoopid" oder "The Last Temptation" nicht gestreift werden und vom letzten Studioopus "Along Came A Spider" gibt es lediglich 'Vengeance Is Mine' zu hören.

Auf der vorherigen Tour gespielte Großtaten wie 'Halo Of Flies' oder 'Gutter Cat vs. The Jets' blieben leider außen vor. Aber man kann ja schließlich nicht alles haben. Die Choreographie ist klasse, der Einsatz stimmt und nun zurück zur Ausgangsfrage: Kann er's noch? Nun, was Showeilnagen angeht ist Alice Cooper immer noch der König unter den Hardrockern. Und stimmlich variiert es bei ihm (wie schon immer) zwischen großartiger Interpretation von Klassikern und derbem Gekrächze. Aber das gehört eben bei Alice so. Und ich finde es richtig klasse, dass er trotz aller Showelemente immer noch musikalisch die Nummer mit der Garagenband durchzieht. Bei dieser Show war nämlich noch nicht einmal ein versteckter Keyboarder vorhanden. Somit nähert sich Alice Cooper wieder seinem Sound an, den er in den Anfangstagen mit der Originalband und gemeinsam mit MC5, The Stooges, The Amboy Dukes und The Bob Seger System erfunden hatte. Und der ist einfach nur geil!

Frank Scheuermann






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