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Wiederkehr

Label: Rabazco (2003)

Cultus Ferox übersetzen sie frei als Wilde Lebensart und damit trifft es wohl voll und ganz den mittelalterlichen, spielmannsgleichen Musikstil, der von ihnen verbreitet wird. Bestehen tut Cultus Ferox aus mehreren ehemaligen Mitgliedern von Corvus Corax / Tanzwut, was man auch deutlich an der musikalischen Qualität hört, die weit über dem Durchschnitt liegt. Selber bezeichnen sie ihre Musik als '“harte rhythmusorientierte Dudelsackmusik“, womit sie auch wieder meine Ansicht vertreten. Vom Klang her ist „Wiederkehr" wirklich ein grandioses Album. Wunderschöne Melodien, teils alten Spielmannsweisen nachempfunden, teils selbst komponiert. Manche Stücke haben einen durchgehenden Text, die anderen wiederum nur vereinzelte Worte oder gar nichts. Aber klanglich und atmosphärisch fügen sie sich wunderbar ineinander ein. Während der das erste Stück ‚Tamfanae' das Album mit beschwörenden Worten und darauf folgenden Melodien einläutet, wird es von ‚Mutter Erde' und ‚Brenner' perfekt weitergeführt. Nun folgt ‚Götterdämmerung', das erste Stück mit durchgehendem Text. Anders als bei vielen anderen Mittelaltergruppen ist dieser in Hochdeutsch gehalten, so dass auch Nicht-Sprachwissenschaftler verstehen, um was es geht. Weiterhin folgen ‚Godesses', ‚Andro', ‚Sarah' und ‚Nordlicht', welches alles wieder pure Instrumental-Stücke sind. Aber bitte nicht unterschätzen. Durch sehr geschickt eingesetzte Trommeln und Rhythmen sind sie alle recht treibend und vol und ganz tanzbar. Was nun kommt ist das Lied ,Wolfsballade', welches das wohl beste Stück der CD ist und wohl auch das beste, was ich in den letzten Monaten gehört habe. Ein wunderbar gesungenes Duett zwischen dem Sänger und einer weiblichen Stimme, die sanft unschuldig und kindlich herüberkommt. Man kommt schon fast ins Träumen dabei...und wer die Augen schließen mag, wird entschwinden in eine wunderbare Welt ... zwischen Schönheit und Bitterkeit ... denn genau so ist auch das ganze Lied. Aber dazu kann ich wirklich nur sagen: Unbedingt anhören, wer es nicht macht verpasst eins der Schönsten Lieder die es wohl geben mag. Das ‚Bettellied' ist das nun Folgende ... ein wild und an orientalischen Einflüssen reiches Lied über das Begehr und die Taten der Bettler (oder eher doch Räuber?). Mit ‚Heyj' und ‚Abgesang', wieder pure Instrumental-Songs schließt hier nun die CD ab...leider. Denn von diesen Melodien könnte man durchaus mehr vertragen.

Ich kann hierfür wirklich nur sagen: Daumen hoch, und zwar beide, auch drei, wenn ich sie hätte. Allein wegen ‚Wolfsballade' wäre die CD es wert, gekauft zu werden und zwar für einen Jeden, nicht nur für Liebhaber mittelalterlicher Musik. Und solltet ihr irgendwo sehen, dass Cultus Ferox in erreichbarer Nähe auftreten - nichts wie hin! Denn auch live haben die Jungs wirklich was auf dem Kasten, wie ich schon zweimal erfahren durfte.

Daniel Walter






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