Reviews

In An Outrage

Label: Massacre Records (2004)

Wenn heute von Frontfrauen die Rede ist, denkt man unweigerlich an irgendwelche Gothic-Lieschen, die uns Nachtigallen-like ein Liedchen trällern und in mit Spitzen versetzten Samtkleidchen ihren Schlangentanz zelebrieren. Allerdings würde man mit diesem Denken Powerfrauen wie z.B. Doro Pesch, Sabina Classen, Angela Gossow und Kate French mehr als Unrecht tun. Alle vier sehen überaus attraktiv aus, blasen aber fast jeder Gothic-Trällermaus die Rübe weg. Während die drei erstgenannten bzw. ihre Stammbands so ziemlich jedem ein Begriff sein dürften, bedarf es bezüglich Kate French und der von ihr gefronteten Band Chastain wohl einer kleinen Vorstellung, ist der Name doch eher älteren Semestern geläufig. Aber um es kurz zu machen, ich würde Chastain als die US-metallischen Warlock bezeichnen, haben bzw. hatten doch beide Acts eine Frau mit einer charismatischen Reibeisenstimme am Mikro.

Zugegebenermaßen hatte ich Chastain nach ihren Alben „The 7th Of Never“ und „Ruler Of The Wastelands“ aus den Augen verloren und daher gingen auch die Line-Up-Wechsel an mir vorbei, so dass ich schon einigermaßen überrascht war, dass statt „Alt-Sängerin“ Leather Leone nun seit dem letzten Werk „In Dementia“ eine Dame namens Kate French an Bord ist, die ihre Sache mit ihrer im Info als Dio-meets-Telefonsex beschriebenen Stimme aber mehr als ordentlich macht. Und über Gitarrengott David T. Chastain selbst braucht man eh nicht viele Worte zu verlieren. Anders als Hyperaktiv-Fiedler wie Yngwie Malmsteen beschränkt er sich einfach nur darauf, gute und eingängige Songs zu schreiben und zwischendurch mal das eine oder andere kleine Kabinettstückchen einzubauen. Statt Effekthascherei steht bei ihm der Song an erster Stelle und jeder einzelne hat das Wort „Power Metal“ im klassischen Sinne verdient. Hört euch einfach mal das Riff des Titelsongs an! Hammer!!! Nicht viel anders sieht’s bei ,Malicious Pigs’, den orientalisch angehauchten ,Souls Of The Sun’ und ,Hamunaptra’ (Gänsehaut pur!), dem formidablen Rocker ,Bullet From A Gun’ oder dem an Crimson Glory erinnernden ,Rule The World’ aus. Genauso muss US-Power Metal klingen, immer schön auf die Fresse aber trotzdem mit einem gesunden Maß an Melodien! Mit der ex-Vicious Rumors Rhythmus-Armada Dave Starr und Larry Howe im Rücken kann in dieser Hinsicht aber eh nichts schief gehen.

Meiner Meinung nach hat Chastain mit seinem achten Album „In An Outrage“ alles richtig gemacht; geile Songs, mächtige Produktion sowie eine ansprechende von Travis Smith designte Verpackung. Vielleicht erlebt man die Jungs und das Mädel bald mal auf deutschen Bühnen. Zu hoffen wäre es!

Michael Meyer






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