Reviews

Bond, Graham & Brown, Pete
Two Heads Are Better Than One

Label: Esoteric Recordings (1972/2009)

Zu den ganz großen tragischen Figuren der Rockgeschichte gehört mit großer Sicherheit Graham Bond. Er ist genauso sicher auch eines der abschreckendsten Beispiele dafür, was Drogen aus Menschen machen können. Ein überaus fähiger Keyboarder und guter Saxophonist mit Vorlieben für Jazz und Rock, brachte er alle Voraussetzungen für eine kreative Rolle in der Rockmusik mit. Zu den ersten Leuten, die in seiner "Organization" spielen durften gehörten Jack Bruce (Cream), Ginger Baker (Cream, Airforce), Dick Heckstall-Smith (Colosseum) und John McLaughlin (Miles Davis, Mahavishnu Orchestra). Daneben existierte noch eine Vielzahl anderer ebenfalls hochbegabter Musiker in seinen Bands. Leider besaß Graham Bond noch eine andere psychische Disposition, die wohl aus seiner ungeklärten Herkunft als Waisenkind rührte. Er war sehr anfällig für allerlei Einflüsterungen und geriet immer weiter in den Einflussbereich von Heroin und okkulten Lehren. Je weiter er im Drogensumpf versank, desto größer wurde seine Hingabe an okkulte Praktiken, die ihn allerdings immer weiter den Drogen zutrieben. Das erklärt auch so wirre Werke wie "Holy Magick" und "We Put Out Magick In You", die auch Anhänger von avantgardistischen Oeuvres nur schwer verdauen können.

1972 hatte Graham Bond noch einmal eine realistische Chance, das Steuer wenigstens noch einmal in musikalischer Hinsicht herumzureißen: Pete Brown, Sänger von den Bands Piblokto und Battered Ornaments und langjähriger Freund von Jack Bruce und Texter der meisten Cream Songs, arbeitete an einer gemeinsamen Platte mit Bond. Musikalisch wurde sie zum besten Output in Bonds letztem Karriereabschnitt. Die Kompositionen sind allesamt überzeugende progressive Bluesrocker mit jazzigem Einschlag. Viele Kompositionen weisen eine gewisse Nähe zu Dr John auf. Leider konnte die Band die Liveprobe nicht auf Dauer bestehen, da Bond auf Tour ständig nur noch auf der Suche nach Heroin war. Die Gigs wurden streckenweise zur Katastrophe und die Musiker verabschiedeten sich nach und nach. Am Ende stand Bond ohne Plattenvertrag da. Erst zwei Jahre später meldete er sich von einem erfolgreichen Heroinentzug zurück und war gerade auf dem Weg, einen neuen Plattedeal zu unterzeichnen, als er unter bislang ungeklärten Umständen in einer Londoner U-Bahnstation von einem Zug erfasst wurde. Der vollständig verstümmelte Leichnam konnte nur anhand eines Ringes identifiziert werden.

Somit bleibt "Two Heads Are Better Than One" der Schwanengesang - oder das Vermächtnis - eines Musikers, dem es in letzter Konsequenz nicht gegönnt war, sein volles Potenzial abzurufen. Ein großer und tragischer Verlust für die Musikszene. Aber nun habt ihr endlich einmal die Möglichkeit, diese CD zu einem erschwinglichen Preis zu erstehen, da die Version auf Repertoire schon seit fast zwei Jahrzehnten nicht mehr zu haben ist. Als Bonus wurden übrigens die beiden zusätzlich erhältlichen Lieder der "Lost Tribe" EP draufgepackt.

Frank Scheuermann






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