Reviews

Destined Solitaire

Label: InsideOut (2009)

Nachdem ich die schwedischen Progrocker Beardfish mit ihren beiden "Sleeping In Traffic" Werken kennenlernen durfte, flattert mir nun heuer ihr fünftes Studiowerk ins Haus. Diese Band, die augenscheinlich keinerlei Grenzen zu akzeptieren gewillt ist, begrüßt uns nach den beiden "Sleeping" Alben mit der wegweisenden Instrumentalnummer 'Awaken The Sleeping', die sich durch eine fröhliche Melodie hindurcharbeitet und dabei in bester Gentle Giant Manier Versatzstücke unterschiedlichster Herkunft zu einem harmonischen Ganzen komponiert. Danach ist der Titeltrack dazu angetan, die Band ins Lager der (fast reinen) Metalbands zu stecken. Straighter und metallischer hat man Beardfish bis dato nicht zu hören bekommen - vielleicht ein Zugeständnis an die Dream Theater Fans, denen sich die Band auf ihrer Nordamerikatour gegenübersehen wird. Überhaupt sind fast alle der neun Kompositionen lang bis überlang. Lediglich 'At Home Watching Movies' bleibt sogar unterhalb der 2-Minutengrenze.

Dass bei zum Teil 15-minütigen Stücken die Möglichkeit zu Experimenten durchaus gegeben ist, wird kein normaler Mensch leugnen. Dass sich allerdings auf einer einzigen CD Hiphop Parts genauso finden wie Death Growls, Jazzimprovisationen oder klassisch inspirierter Retroprog, das scheint selbst abgehärteten Proggies sehr seltsam. Und hier kommt das Seltsamste: Es funktioniert.

Ich bin von dieser Platte noch mehr angetan als von ihren beiden Vorläuferscheiben. Und das will was heißen. Hier bekommt man große Musik ohne Berührungsängste. Und auch beim hundertsten Hören gibt es immer noch Neuigkeiten zu entdecken. Eine Liga für sich, denn so muss progressive Musik klingen.

Frank Scheuermann






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