Reviews

Velvet Hours - Stolen Moments

Label: Sony (2004)

Schon lange habe ich keine CD mehr in meinen Player geschoben, die mir von Anfang an soviel Freude bereitet hat, obwohl sie meinen sonstigen Hörgewohnheiten so absolut nichts zu tun hat! Branded Women sind eine fast reine Frauenband, mit lediglich einem Drummer, welcher der XY-Chromosomen-Fraktion angehört. Vielleicht macht das die Musik des skandinavischen Fünfers so ungewöhnlich! Natürlich, die Versatzstücke dieser Musik hat man alle so oder anders schon einmal gehört. Da paaren sich Underground mit Lounge Sounds, Velvet Underground und The Doors lassen grüßen, Gitarren, die über prähistorische Fender Twin Reverb Verstärker gespielt werden und durch präpsychedelische Orgelsounds mit existenzialistischer Schlagseite unterstützt werden, lassen die Musik der gebrandmarkten Frauen als deutlich in den 60er Jahren beheimatet erkennen.

Das ist keine Musik für den hektischen Alltag, vor allem nicht dann, wenn die Melodiebögen von Katja Nakari an den besten Stoff erinnern, den Ray Davies (The Kinks) in den Swinging Sixties geschrieben hat oder die unterkühlte Atmosphäre, welche sonst nur eine Chrissie Hynde (Pretenders) zu erzwugen weiß. Das ist Musik für den frühen Sonntagmorgen, wenn man nach einer exzessiven Fete noch nicht ins Bett will und bei einem Zigarillo und einem letzten Whisky ein lauter Tag ausklingt. Die Stimme versprüht eine tiefgehende Erotik, die in einer Zeit von Britney Spears und Co. Nicht mehr zu erhoffen war und die Kenntnisse einer reifen Frau voraussetzen. Das einzig unverzeihliche an dieser CD ist, dass sie bereits 2004 erschienen ist und sie mir so lange vorenthalten blieb. Unglaublich!

Frank Scheuermann






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