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Liquid Monster

Label: Metalblade (2005)

Mit „Metus Mortis” haben Brainstorm ihr Gesellenstück abgeliefert, einen absoluten Höhepunkt ihrer Karriere, dessen Niveau mit dem Nachfolger „Soul Temptation“ unglaublicherweise gehalten werden konnte und die Vorfreude auf den nächsten Longplayer in ungeahnte Sphären trieb. Nun endlich rotiert „Liquid Monster“ im heimischen CD-Player und lässt die Angst, es hier vielleicht mit einem Rückschritt zu tun zu haben, einer freudigen Erregung weichen. Das „flüssige Monster“ ist reiner Sex, inklusive multipler Orgasmen: mal schnell und hart, dann mal eher ruhiger und zärtlicher, aber immer mit schön und liebreizend. Was euch das redaktionelle Sex-Monster mit diesen Worten sagen will, ist; trotz aller Power und Härte, die den Term Power Metal immer wieder rechtfertigen, kommen die Melodien niemals zu kurz. Was Sänger Andy mal wieder mit seiner Stimme anstellt, lässt jedem Banger die Freudentränen über die Wange kullern. Der Mann scheint sich mit jeder einzelnen Platte in neue Qualitätsregionen vorzuarbeiten und verfeinert die ohnehin schon überirdischen Leistungen der letzten Scheiben mit immer neuen Genialitäten. Von der Instrumental-Fraktion immer wieder vorangetrieben, zaubert Herr Franck eine Killermelodie nach der anderen aus dem Ärmel und hat auch keine Angst, wie beim nahezu unglaublichen Thrasher ‚Lifeline’, mal kurz den Halford zu machen.
Überdies hat man sich auch nicht gescheut, zwischen Brecher wie dem Opener ‚Worlds Are Comin’ Through’ (das mir erstmal eine zentimeterdicke Gänsehaut auf die Arme gezaubert hat), ‚Inside The Monster’, dem bereits erwähnten ‚Lifeline’, der mit einer grandiosen Melodie ausgestatteten Single ‚All Those Words’ oder dem düsteren, nicht ganz das Level der Vorgänger-Tracks haltenden ‚Invisible Enemy’ auch ruhigere Töne zu platzieren.

Klingt die Ballade ‚Heavenly’ anfangs vielleicht etwas kitschig, bildet sich bei Einsatz des Gitarren-Verzerrers erneute eine Gänsehaut. Ich bin mir sicher, dass diese Hymne zu einem der singalong-Feger der nächsten Konzerte avancieren wird. Eine Semi-Ballade-Hymne, die einmal mehr zeigt, dass Brainstorm nicht nur die harten, sondern auch die zarten Töne beherrschen.

Mit dem treibenden, aber sich trotzdem im Midtempo befindlichen ‚Painside’ folgt wieder einer der neuen Hits aus dem Brainstorm-Katalog, eine Killermelodie, die einfach nicht mehr das Ohr verlassen will, wohingegen ‚Despair To Drown’ aufs neue die Nackenmuskulatur zerschmettert und mit einer etwas „psychotischen“ Gesangslinie überrascht, nur um im Refrain wieder eine typische Andy B. Franck-Melodie in den Raum zu werfen! Thrash pur, und von Bands wie Nevermore oder Testament wohl auch kaum zu toppen!

Wie bei Brainstorm üblich, enthält auch „Liquid Monster“ mal wieder für jeden Fan metallischer Klänge etwas; ein Füllhorn an musikalischen Ideen, kompromisslose Härte, aber auch wunderbare und eingängige Melodien und einmal mehr großartige Songs, die keine Langeweile aufkommen lassen. Eine Hymne reiht sich an die nächste, und man fragt sich ein weiteres Mal, wie das alles noch getoppt werden soll. Ich hoffe nur mal, dass den Jungs dieses Mal endlich der Durchbruch gelingt. Nach all den Jahren harter Arbeit und der überragenden Qualität ihres künstlerischen Schaffens wäre es ihnen mehr als zu gönnen!

Michael Meyer






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