Reviews

Seizin' The Day

Label: Kamikaze Records (2004)

Dies ist der Beweis, dass man nicht nach Skandinavien fahren muss, um gute Rock’n’Roll Musik genießen zu können. Die Jungs, die sich im September 2001 zusammenschlossen, um künftig als Boozed aufzutreten, stammen nämlich aus Bramsche. Keine Sorge, ich musste auch den Atlas zur Hand nehmen, um herauszufinden, dass das ein Ort in der Nähe von Osnabrück ist. Und wenn man sich „Seizin’ The Day“ zum ersten Mal anhört, so muss man glauben, dass das Quintett dort noch nie etwas anderes gemacht hat, als zu rocken und in den Arsch zu treten. Die nächste Überraschung kam dann für mich, als ich las, dass das Durchschnittsalter der Jungs bei 19 Jährchen liegt. Was muss man denn in so jungen Jahren schon alles die Kehle runtergeflossen sein, um eine so dreckig fette, kompromisslose Scheibe aufzunehmen, wie das „Seizin’ The Day“ ist. Die jungen Jahre können bestimmt abschreckend wirken, doch das braucht es nicht, denn die Jungs haben echt mehr als nur einfaches Talent zum Songs schreiben. Wohl durchdachte Songs, abgefahrene Gitarren-Soli eine abwechslungsreiche Dynamik und einfach Spaß an der Sache runden das Album ab. Es handelt sich um das offizielle Debüt von Boozed, die jedoch im letzten Jahr schon eine Split 7 mit den V8Wankers aufgenommen haben. Vertrieben wird das Werk unter Kamikaze Records, die generell dafür bekannt sind, sich den Surf Sound und Surf’n’Roll Bands verschrieben zu haben.
Boozed entstanden ursprünglich aus der Idee, eine AC/DC Cover Band zu gründen. Doch wurde daraus dann wohl doch nichts. Im Stile wandeln sie auf den Pfaden der Nashville Pussy’s, den neuen Sachen von Gluecifer und den Hellacopters. Derzeit ist das Quintett in Deutschland mit den Daybreakers auf Tour.

Das einzige Manko an der ganzen Sache liegt meiner Meinung nach im Gesang, der noch sehr ausbaufähig ist. Insgesamt kann man den Leuten jedoch nicht absprechen, dass sie ein ordentlich produzierten Erstling auf den Markt geschmissen haben.

Tim Ruhl