Reviews

Bonrud

Label: Frontiers Records (2004)

Wenn vergleichsweise unbekannte Musiker sich nicht nur an nahezu alle verfügbaren Instrumente heranmachen und zu guter letzt auch noch die Produktion an sich reißen, dann gehört nach meinen Erfahrungen schon ein Hauch von Mut dazu, sich das Produkt anzuhören. In diesem Fall bleibt es allerdings vom Sound her im erträglichen Maße. Allerdings strahlen die Songs die gleiche Vordringlichkeit aus, wie ein Schrebergärtner beim wöchentlichen Einkauf bei Aldi. Die Hooklines zünden nicht wirklich und das Riffing kommt so lahmarschig rüber, dass man sich fragt, in welchem Takt Herr Bonrud denn eigentlich eingeschlafen sei. Auch die Soli bewegen sich in unglaublich langsamem Tempo. Versteht mich nicht falsch, Tempo ist nicht alles, schließlich bin ich glühender Verehrer von Gitarristen wie Paul Kossoff (Free), Mick Ralphs (Bad Company, Mott The Hoople), Mick Ronson (David Bowie, Ian Hunter) und Peter Green (Fleetwood Mac). Nur: Feeling und Lahmarschigkeit sollte man nicht verwechseln (das gilt hier genauso wie beim Sex!). Das, was mir die Platte noch ein wenig erträglich macht ist die Stimme von Dave Hendricks, der in seinen besseren Momenten tatsächlich wie Lou Gramms (Foreigner) kleiner Bruder klingt.

Sicher, es sind schon deutlich schlechtere Platten durch meinen CD-Player gewandert, aber an die selbst gesetzten Vergleichspunkte wie Foreigner und Journey kommt dieser Silberling genauso wenig heran, wie mein Hund, wenn er versuchen würde, den Mond anzupinkeln, dafür sind Songs und Produktion viel zu belanglos.

Frank Scheuermann






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