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Primitive Epic

Label: S.A.D. Music (2005)

1998, so lautet das Gründungjahr von Bobaflex. Die fünf Jungs stammen aus West Virginia, genauer gesagt aus Point Pleasant, der Heimat des Mothman. Die eigentlichen Gründer sind die McCoy Brüder, deren Familie sich anno dazumal (1880) eine Fehde mit der Familie Hatfield lieferte, die fast zum Krieg zwischen Kentucky und West Virginia führte. Doch der Schnee von gestern ist nicht so interessant wie der kometenhafte Aufstieg der Band. Mit EPs, die man in örtlichen Läden ausverkaufte, begann man eine Fanbase zu bilden. Auftritte bei diversen US-Festivals machten einige Labels aufmerksam. Man kam unter bei Eclipse Records und veröffentlichte das nun hierzulande erscheinende Primitive Epic, welches ein Science-Fiction Konzeptalbum darstellt.

Das Intro und die ersten Textfetzen bestätigen den Science-Fiction Charakter, der die Grenzbewohner angesichts der dortigen UFO Sichtungen nicht losgelassen hat. Umspielt wird das Thema beim ersten Track ‚Bobaflex Warriors’ mit einer treibenden Mischung aus modernem Metal und melodischen Elementen aus früheren Jahrgängen. Track 2 sieht, abgesehen von den gleich bleibenden Shoutings, strukturell etwas anders aus. Man wird ein wenig an die Songstruktur von System Of A Down erinnert, die ständige Tempo- und Melodiewechsel in ihre Werke einbauen. Der Einfluss von SOAD zieht sich aber Angesichts von ‚Tears Drip’ etwas weiter in die Ideen des Quintetts hinein, was nicht unbedingt schlecht ist, aber die Unabhängigkeit des Sounds etwas beschneidet. Ebenso wie der eben erwähnte Einfluss lässt sich der Teil den die Hardcore Community beigesteuert hat deutlich hören, denn der „Gesang“ kommt, abgesehen von einigen Ausnahmen innerhalb der Lieder, immer aus dieser Musikrichtung. Selbst Rap hat man zum Einbau benutzt, der sich zum Beispiel in einigen Passagen von ‚Turn The Heat Up’ wieder findet. Die Fünf scheinen verrückt zu sein, doch etwas Ähnliches denkt man ebenso bei den Herren von System Of A Down, denn die Grenze zwischen Genialität und Wahnsinn sind fließend. Wenn man sich an den Sound gewöhnt hat kann man die Scheibe ohne Probleme diverse Male konsumieren.

Wer Hardcore und System Of A Down mag, sollte unbedingt mal ein Ohr riskieren, weil die Band genau diese beiden Faktoren verkörpert.

Winfried Bulach