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Blanc Faces
Blanc Faces

Label: Frontiers Records (2005)

In den letzten Jahren habe ich mir als eine Art Reflex angewöhnt, immer dann zusammenzuzucken, wenn ich irgendwo die Begriffe „Melodic“ und „Rock“ zu eng beieinander stehen sah. Und das hat seinen guten Grund: lauwarmer 1000. Aufguss von Ideen, die schon vor 20 Jahren bei Journey nicht sonderlich originell waren, blutleer dargeboten von hauptberuflichen führenden Bankangestellten, die beweisen wollten, dass auch sie knallharte Rocker sind – und daran zumeist jämmerlich scheiterten und lediglich den Soundtrack zum Fahrstuhlfahren und Einkaufen bei Feinkost Albrecht (oder wie wir Wahlanatolen sagen: zu Aldi) abliefern. Die Etikettierung der Debutscheibe der LeBlanc Brüder Robbie und Brian als Melodic Rock ließ also schlimmste Dinge befürchten, zumal sie auch optisch den Eindruck erwecken, als wüssten sie über Saldo und effektiven Jahreszins amtlicher Bescheid, als über die dorische Tonleiter. Wie auch immer, nach verhaltenem Anfang (wie kann man eigentlich die schlechteste Nummer an den Anfang einer CD stellen??????) steigern sich die beiden Melodic-Freaks fast von Song zu Song und lassen –zu meiner allergrößten Überraschung- zu keinem Zeitpunkt Langeweile aufkommen. Auch meine Frau, die im Hintergrund die CD mit anhört beginnt nicht wie sonst bei Melodic Rock üblich, den Wäschekorb nach zu bügelnden Hemden abzusuchen. Mit „Staying Power“ ist sogar ein echter Klopfer am Start, und drei richtig gute Balladen gibt’s noch obendrauf. Insgesamt alles eher im Midtempobereich, aber die Produktion ist durchaus gelungen und die Gitarren klingen richtig gut. Eigentlich müsste ich jetzt sauer auf die LeBlanc-Buben (kleiner Scherz, die beiden sind nämlich auch schon deutlich jenseits der 40...) sein, da sie mir die Chance versemmelt haben, mal wieder über eines meiner Lieblingsfeindbilder zu schwadronieren! Macht nix, dann freue ich mich eben über eine gute CD, die ich nun ebenfalls in mein Regal einreihen kann!

Nun denn, wenn Euch die Zeit bis zur Veröffentlichung der neuen Journey (am 29. August) noch zu lange ist und Ihr mit der reinen Covers-CD von Styx nyx, äh nix, anfangen könnt, wenn Foreigner und Loverboy schon immer zu Euren Faves gezählt haben, dann macht Ihr mit Blanc Faces auch unter Garantie nichts falsch. Bisher eines der Genrehighlights des Jahres!

Frank Scheuermann






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