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Hangover Music Vol. VI

Label: Edel (2004)

Zakk Wylde ist mal wieder mit seiner Black Label Society unterwegs und macht die Musikwelt unsicher. Diesmal aber nicht mit den gewohnt düsteren und groovigen Mitteln, wie das Cover erahnen lässt, sondern ungewohnt seichte und herrlich melodische Rock-Balladen bestimmen das Bild des aktuellen Outputs „Hangover Music Vol. VI“. Ist der Gitarrist von Rockopa Ozzy Osbourne ebenfalls in die Jahre gekommen oder hatte er einfach nur Lust eine ruhiges Album zu produzieren, das man getrost in einer lauen Sommernacht - in der man bei einem Glas Whisk(e)y in fast vergessenen Erinnerungen schwelgt - hören kann?

Der Opener ‚Crazy Or High’ ist eine klassische Halbballade im Guns’n Roses Stil, ehe der Song Singalong-Charakter annimmt und mit dem typischen Gitarren-Riffing Marke Zakk das Sahnehäubchen aufgesetzt wird. ‚Queen Of Sorrow’ hingegen versprüht durch seine bluesig-akustischen Gitarrenklänge eine traurige Grundstimmung, die hin und wieder durch Mr. Wyldes einzigartiges Gitarrenspiel durchbrochen wird. Kaum ist die Trauer im recht düster kommenden ‚Steppin Stone’ überwunden, schon kommt der nächste Niederschlag, natürlich nur Stimmungsmäßig. ‚Yesterday, Today, Tomorrow’ schießt glaub ich den Vogel ab, denn Zakk und seine Mannen sind in dieser zu Tränen rührenden Ballade nicht mehr wieder zuerkennen. Kaum zu glauben dass ein Black Label Society Song ganz ohne „Gequietsche“ auskommt, lediglich das pompöse Finale lässt erahnen, dass es sich bei diesem Interpreten um eine Hard Rock Band handelt. Die gewohnte Kost gibt es im Midtempo Schunkler ‚House Of Doom’, der wohl „härteste“ Song dieser Weichspühlplatte. Mein persönlicher Favorit ist allerdings die wunderbar eingängige Ballade ‚No Other’. Schlagzeug, Akustikklampfe und Vocals sind perfekt aufeinander eingestellt und vermitteln einen wirklich grandiosen Hörgenuss. Zu guter letzt gibt es mit ‚Fear’ einen ziemlich stillen Rausschmeißer, der vollgespickt mit Soli - die allesamt im Hintergrund gehalten sind, so dass sie einem nicht auf die Nerven gehen - zu einem weiteren Highlight dieses recht ausgefallenen Albums reift.

Ausgefallen ist gut, denn Zakk Wylde und seine Black Label Society fahren die gesamten 66 Minuten im Schongang und beweisen Gespür bzw. Gefühl für wunderbar herzzerreißende Rockmusik ohne dabei auch nur annähernd kitschig zu klingen. Dennoch sei gesagt, dass dieses Album wohl nur Leuten gefallen wird, die auch das ein oder andere Mal eine tief traurige oder eine Akustik-Schallplatte einlegen oder schon sämtliche Veröffentlichungen der Band besitzen. Lehnt Euch zurück genießt ein Glas guten Whisk(e)y und lauscht den Klängen von „Hangover Music Vol. VI“, denn genau dazu ist diese Scheibe richtig.

Nils Manegold






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