Reviews

Americana

Label: Reprise Records (2012)

Das war ja schon seit vielen Jahren überfällig. Neil Young, der Kanadier, der den Rock in fast alle Richtungen aufgemischt hat, ist stets vom Folk ausgegangen und hat nun eine Platte veröffentlicht, die vom Songmaterial her so back to the roots ist, wie es bei einem Manne seines Schlages nur möglich ist. Auf "Americana" spielt Neil Young ausschließlich amerikanische Traditionals, zusammen mit seiner kongenialen Band Crazy Horse. Ich mag mir nicht vorstellen, wie diese Songs mit seinem näselnden Gesang ausgefallen wären, wenn er sie als Soloplatte mit akustischer Gitarre oder Klavier gemacht hätte - dann hätte das vermutlich kein Mensch gebraucht. Aber zusammen mit seiner legendären Garagenkapelle Crazy Horse wird sogar einer Nummer wie "Tom Dooley" (hier "Tom Dula"), die ansonsten seit einer unsäglichen deutschsprachigen Coverversion der drögen 50er Jahre reichlich in Misskredit geraten ist, neues Leben und ungeahnte Kredibilität eingeräumt.

In gewohnt spartanischen und schnörkellosen Arrangements, mit singender und pfeifender Gitarre, braten die vier betagten Herren die Songs durch den Äther, dass es sogar mir, der ich mit großen Vorbehalten der Veröffentlichung entgegengeschaut hatte, den Scheitel zurecht rückt. Natürlich gibt es von Neil Young bedeutendere Veröffentlichungen, sowohl solo als auch mit Crazy Horse, aber "Americana" macht zumindest mir Spaß. Das nächste Mal darf es dann wieder eigenes Material sein - er soll mal nicht so anfangen, wie Rod Stewart mit seiner trivialen "Great American Songbook"-Reihe, aber als one off-Sache gefällt mir dieses Scheibchen, selbst wenn mir andere Geschmacklosigkeit unterstellen werden. Da stehe ich drüber. Cool.

Frank Scheuermann






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