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Ich rette dich

Label: SPV (2014)


Gerade ein paar Monate ist es her, dass ich das Album „Tanzmusik für Roboter“ besprochen habe, da legen die Moderatoren bereits nach. Nein, kein neues Album – auch wenn der Umfang der EP diesen Eindruck durchaus vermitteln könnte.
Aber nicht nur der Umfang sondern auch die Qualität der EP sollten die Hörer – so zumindest die Moderatoren – davon überzeugen, dass das mit das Beste sei, was Welle:Erdball bislang kreiert habe. Natürlich gehören derartig vollmundige Ankündigungen zum gewohnten Repertoire von Bands und ich habe schon mehr als eine Scheibe in der Hand gehalten, bei der man sich ernsthaft fragte, ob der Werbetexter das Machwerk denn je gehört habe – und wenn ja, mit welchen Rauschmitteln. Doch, soviel Vorgriff sei erlaubt, gänzlich leere Versprechen liefern W:E nicht ab, auch wenn der Überschwang stellenweise gedämpft sein will.

Komplett berechtigt ist ein Lob für den Umfang. 8 Tracks sind für eine EP durchaus eine Ansage, manche Truppen bieten in der Tat so einen Umfang in manchen Alben. Die Tracklänge liegt durch die Bank jenseits der 3 Minuten – also auch keine billige Trackschinderei mit 20-Sekunden-Introsongs. Ja, der eine oder andere (Pagan)Metaller mag jetzt abwinken und auf 10-Minuten-Stücke verweisen, aber in dieser Spielart sind wir nicht.

Der titelgebende Opener „Ich rette dich“ bietet nach einem kurzen elektronischen Einstieg eine Abrechnung mit dem Medium TV. Beim Text dürfte man aber durchaus auch an die Politik denken, gerade wenn man an die wieder aktuelle Thematik Grundrechte vs. Terrorabwehr denkt (und bei „Alternativen gibt es nicht“ darf man wohl durchaus auch an Frau Merkel denken). Klanglich beste W:E-Manier, auch wenn der Refrain für meinen Geschmack etwas zu überzuckert daherkommt.

Gesellschaftskritisch kommt auch „Spiel mit der Welt“ daher, dass sich mit der Manipulierbarkeit des Menschen auseinandersetzt. Hier mit einem Ticken mehr Elektro unterlegt, kann der Track doch noch ein bisschen mehr mitreißen als der Opener.

Das obligatorische Cover bringt man mit der Interpretation von Rheingolds „FanFanFanatisch“, die sich nicht sklavisch als Nachbau versteht und gerade deshalb überzeugt.

„Der Türspion“ bietet eine augenzwinkernde Abrechnung mit Voyeurismus. Klanglich schön unbeschwert und Honey hat – wenn auch mit Abstrichen – sicherlich Recht: das Stück hat schon ein gewisses Suchtpotential und dürfte sich – Tanzbarkeit sei dank – wohl auch auf künftigen Touren gut machen.

Noch einen ganzen Tacken softer wird es dann bei „Das Radio, das Ohr der Welt“. Für die elektrophile Fraktion vielleicht einen Tick zu soft und schmalzig, allerdings gehören die ruhigeren Töne nun mal auch zum Repertoire von Welle:Erdball und so hat der Track durchaus seine Berechtigung. Auch die Positionierung ist passend gewählt – hinter einem der ersten Tracks hätte das Stück sicherlich zu lasch gewirkt.

Damit aber genug der Ruhe, „Ich will vergessen“ drückt wieder ordentlich aufs Pedal. Mit massiv elektronischen Klängen wird hier ein Abschied der etwas anderen Art präsentiert. Damit werden auch die Freunde der elektroniklastigeren Stücke wieder versöhnt, denn der Track lässt sich locker flockig durchhören und lässt den Finger gern mal zur Repeat-Taste zucken.

Mit „Die Wahrheit“ kommt auch das fünfte Bandmitglied, der C=64, wieder zu Ehren. Wer wie ich noch das Zeitalter von „Giana Sisters“ und „Turrican“ erlebt hat, dem dürfte nostalgisches Schwelgen hier leicht fallen.

Zum Abschluss wird der Titelsong nochmals als Massiv in Mensch - Remix dargeboten, was den Kreis schön schließt. Im Remix kommt man ein Stück getragener daher als im Orginal.

Ein abschließendes Urteil fällt somit recht leicht. Man bekommt für sein Geld viel geboten. Stellenweise gleitet mir das Ganze ein bisschen zu sehr in den Kitsch ab, aber das ist sicherlich eine Frage des Geschmacks: wer die eher elektronischen Seiten von Welle:Erdball schätzt, wird noch einen Hauch von Verbesserungsmöglichkeit spüren, für den Rest ist die Platte bereits top.

9,5/10

KoJe






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