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Propaganda Man

Label: Soulfood Music (2009)

Was haben Genesis da getan? Wenn ich mir die Releases der letzten zehn Jahre anhöre, überkommt mich das kalte Grauen! Mit Ray Wilson hatte die Band nach "Calling All Stations" plötzlich noch einmal die unerhörte Chance, musikalisch relevant zu werden, was man in meinen Ohren zuletzt mit "Wind & Wuthering" war. Und was tun die Pfeifen? Sie feuern ihre letzte Chance und holen den irrelevanten aber bei den breiten Massen beliebten Phil Collins zurück, nur um eine gigantomanische und völlig unerhebliche Greatest Hits Tour abzuliefern. Na danke!

Ganz im Gegensatz dazu Ray Wilson, der seine viel zu kurze Zeit bei Genesis dazu nutzt, seinen Namen etwas bekannter zu machen und auf diesem Weg schon einige äußerst gelungene Platten hervorgebracht hat, sowohl solo als auch mit den Bands Stiltskin und Cut. Und diesem wundervollen Oeuvre fügt er nun mit "Propaganda Man" eine weitere überwiegend ruhig gehaltene Nuance hinzu. Die Songs wirken wie eine melancholische Version von Steve Thorne mit leichten Pink Floyd Anleihen. Aber getragen werden diese vornehmlich mit akustischen Gitarren instrumentierten Tracks vor allem durch die traurige Stimme des ewig jung aussehenden Musikers. Er zaubert sich immer wieder hymnische Lieder aus dem Ärmel (man höre sich nur einmal das unglaubliche "Cosmic Baby" an!) und zeigt dabei, dass er besser ist als alles, was er damals verlassen musste. Bleibt zu hoffen, dass die Zahl seiner Fans im verdienten Maße zunimmt! Eine sichere Bank für tolle Musik jenseits der Schubladen.

Frank Scheuermann






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