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Release Date

Label: Dockyard1 (2007)

Wer noch nie ein Waltari Album gehört und sich vorab beim Plattendealer seiner Wahl informieren möchte, sollte Zeit mitbringen. Denn hier ist es nicht damit getan, jeden Track mal kurz anzuschneiden. Die Gefahr, dadurch zu viel zu verpassen, ist zu groß. Und selbst wenn man mit der Scheibe durch ist, hat man nicht wirklich alles erschlossen.

Die Musik von Waltari ist nicht einfach zu erklären, denn die Jungs haben während ihres bisherigen Schaffens wohl kaum eine musikalische Stilrichtung noch nicht in ihren Kompositionen berücksichtigt: Metal, Punk, Hardcore, ja sogar Techno, auf der anderen Seite wieder traditionelle, kulturtypische Melodien. Waltari passen wahrlich in keine Schublade und das bestätigen sie auch mit ihrem neuen Output, der ganz simpel auf den Namen "Release Date" getauft wurde.

Der Nachfolger des erst vor einem Jahr veröffentlichten "Blood Sample" beginnt mit dem Opener 'Get Stamped' für Waltari Verhältnisse erstaunlich eingängig. Eine recht einfache, prägnant erkennbare Rock Nummer, die noch wenig von dem typischen Band Stil offenbart. Das darauf folgende 'Big Sleep' macht ebenfalls noch keine großen Anstalten, stilistisch große Auswüchse zu wagen. Doch spätestens mit dem dritten Track 'Let's Puke Together' kommt auch erstmals das Faible der Band für die härteren Töne zum Tragen, dem Sänger Kärtsy Hatakka mit den ersten Crowls Rechnung trägt. Herzstück des Album ist der 38-minütige Opus 'Cityshamaani', der sich in sechs Songs aufteilt und die kunterbunte Vielfalt der Jungs eindrucksvoll untermauert: typische Heavy Metal Trademarks paaren sich mit Thrash Parts, zwischendurch gibt's eine Brise Death Metal, um dann wieder einen gekonnten Bogen in Beat Parts zu schlagen, leicht progressive Einspielungen machen das Verwirrspiel komplett. Die Kunst liegt hierbei wirklich in den einzelnen Übergängen, die Waltari bravourös meistern und sich einmal mehr Meister der Komplexität erweisen. Die weiteren Songs paaren sowohl dumpfe Gitarrensounds wie auch leicht irische Einflüsse und vermengen somit nicht nur klassische Metal Attitüden, sondern auch kulturelle Einflüsse. Einen nahezu fantastischen Abgang beschert dem Album der finale Bonus Track 'Spokebone', den die Band zusammen mit dem finnischen Frauenchor Värttinä aufgenommen hat. Amazonenhafter Gesang, Beat Parts, typisch irische Klänge à la The Corrs, gemixt mit straighten Gitarren im Chorus und einem starken Refrain. Grandioser Abschluss!

Wenn es eines Gegenstücks zu kommerzieller Musik bedarf, so stehen Waltari nahezu 100%tig hierfür. "Release Date" ist ein weiteres Beispiel für die unendliche Vielfalt der Finnen, die nicht einfach nur umgerührt, sondern sinnvoll in Szene gesetzt wird. Dafür kann man der Band nur ein großes Kompliment machen - für eine große Scheibe!

Oliver Bender 






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