Reviews

In Thought

Label: Dockyard1 (2006)

Nachdem das 2000er-Werk "Tangled In Dream" verdammt gute Wertungen einfahren konnte und Vanishing Point im Underground eh nicht mehr gänzlich unbekannt sind, war ich natürlich riesig gespannt, welche Euphorie dieser Re-Release des 97er-Debüts bei mir auslösen könnte. Leider gipfelte die freudige Erwartung in der nüchternen Feststellung, daß zwischen Debüt und Zweitwerk eine nicht ganz unbeträchtliche qualitative Distanz liegen muss. Musikalisch ist man am anderen Ende der Welt gar nicht mal so weit weg von leicht progressivem Ami-Stahl der Marke früher Queensryche. Allerdings wussten die Seattle-Boys, wie man großartige Songs, veredelt von großartigem Gesang, in ein großartiges Soundgewand zu packen hat. Und genau an diesen Markenzeichen hapert es an "In Thought" ziemlich gewaltig. Während man es mit dem Opener ‚The Only One' noch schafft, musikalisch zu überzeugen, vergrault man den Fan bei den nachfolgenden ‚Forgotten Self' und ‚Dream Maker' mit verzerrtem Gesang. Absolut unnötig, hat man mit dem Sänger doch einen Mann hinter dem Mikro stehen, der seinen Job auch ohne Verzerrer gut ausüben kann.

Das größte Manko dieser Australien-Scheibe ist aber ganz klar die Produktion, die extrem kraft- und zahnlos ausgefallen ist und den Songs das letzte bißchen Druck klaut. Ich habe schon Radio-Akts gehört, deren Balladen mehr Power hatten als die regulären neun Songs dieser Scheibe. Wieso Dockyard1 das Teil gänzlich unbearbeitet in die Läden stellen, ist mir von daher ein echtes Rätsel, hätte man aus den Songs mit richtiger Produktion doch wahrlich einiges machen können. Da reißt dann leider auch der als Bonus auftauchende neue Song ‚Inner Peace' nicht mehr allzu viel raus, so daß ich hier keine klare Kaufempfehlung aussprechen kann. Schade um das vergeudete Potential!

Michael Meyer






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