Reviews

The Black Light Bacchanalia

Label: Steamhammer (2010)

Musikalisch ist David DeFeis mit seinen Mannen über jeden Zweifel erhaben. Der New Yorker kann komponieren, was das Zeug hält, hat eine an allen Stellen durchscheinende klassische Ausbildung, spielt veritabel auf seinen Keyboards (und ab und auch mal mit seinem Schwert) und kann richtig klasse und variabel singen. Aber...und hier beginnt eine lange Auflistung von Dingen, die ich einfach nur bemängeln kann. Die Platte ist wie schon der Vorgänger "Visions Of Eden" für meinen Geschmack sehr, sehr schlecht produziert. Und die Drums, auf die die Band laut Infozettel besonders stolz ist, klingen einfach nur nach dem berühmten kleinen Japaner.

Die Gitarren sind für eine klassische Powermetal Band einfach zu dünn ausgefallen und einige Songs (vor allem die mit Überlänge), eiern belanglos vor sich hin. Und das sage ich als Mensch, der ziemlich auf progressive Bands abfährt und sich manchmal wochenlang in 20-minütige Epen hineinsteigern kann. Dabei beginnt die Platte noch recht schwungvoll und mit einigen der besten Stücke gleich zu Beginn. Spätestens ab 'Nepenthe' ist aber die Luft raus. Diese Ballade gibt es in ähnlichen Ausführungen schon seit vielen Jahren unter unterschiedlichsten Titeln.

Was bleibt? Von einer der ebsten US Metalbands der 80er Jahre ist kaum noch etwas übrig geblieben. Die Rockoperambitionen von DeFeis haben vermutlich weitgehend den Rock'n'Roll Funken in ihm gelöscht. Es ist kaum vorstellbar, dass diese Platte von den gleichen Musikern stammt, die einst mit "Age Of Consent", "Noble Savage" und "Marriage Of Heaven & Hell (Parts 1 & 2)' Metalgeschichte geschrieben haben. Der seit der "House Of Atreus"-Saga einsetzende Niedergang wird mit "The Black Light Bacchanalia" ganz bestimmt nicht gestoppt. Und zu David DeFeis neopaganischer, pseudophilosophischer New Age-Quarkmasse will ich mich lieber erst gar nicht auslassen. Schade, eine der Enttäuschungen des Jahres.

PS: Die Scheibe kommt übrigens in drei Versionen auf den Markt, mit jeweils unterschiedlichen Bonustracks. Will man - ungeachtet der Frage, ob sich die Bonustracks musikalisch lohnen - alle haben, muss man nach meiner Rechnung für dieses Teil ca. 50 Öcken berappen. Fanverarsche!

Frank Scheuermann






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