Reviews

Live In Armenia

Label: Frontiers Records (2011)

Uriah Heep gehören seit vielen Jahren zu den fleißigsten Bands des Universums. Nachdem sie nun wieder in der glücklichen Lage sind, mit einer guten Plattenfirma im Rücken gute Studioproduktionen abzuliefern und auch wieder einen Schlagzeuger mit an Bord haben, der gesundheitlich auf der Höhe ist, lassen sie es wieder ganz ordentlich krachen. Die Energie, die sich mit dem unglaublich brachialen "Wake The Sleeper" angedeutet hatte und die dann auf "Into The Wild" auch kompositorisch einen neuen Höhepunkt erreicht hatte, kommt allerdings am besten in der packenden Konzertatmosphäre der Band rüber.

Seit jeher war es das Bekenntnis der Band: "Wenn die Fans nicht zu uns gehen können, dann kommen wir halt zu ihnen!" Und daher gehören Uriah Heep auch wirklich zu den ganz wenigen Bands, die es wörtlich meinen, wenn sie sagen, sie gingen auf eine Welttour! Das sind dann nicht wie bei anderen nur die USA, England, Japan, Rock in Rio und Deutschland. Nein, Uriah Heep haben schon in Indien gespielt, in Indonesien, auf Malaysia, in Sibirien bei -50°C Außentemoperatur oder eben 2010 in Armenien. Die für's armenische Fernesehen mitgeschnittene Show vor unglaublich glücklichen Besuchern stellt nun ein ganz besonderes Highlight in der Bandgeschichte dar. Geborten werden vor allem Songs vom damals noch taufrischen "Wake The Sleeper" Album, die live noch um ein vielfaches druckvoller aus den Boxen quellen als in der ohnehin schon vorbildlichen Studioversion. Bernie Shaws Stimme, die mich zu Beginn in den 80ern immer ein wenig genervt hatte, ist mittlerweile zu einer famosen Stimme gereift, die es versteht, selbst den Klassikern aus der Byron und Lawton Ära einen eigenen, wohltuenden Stempel aufzudrücken. Das Zusammenspiel der Band ist so tight, dass man damit Kokosnüsse knacken könnte und Mick Box zeigt bei einem außergewöhnlich langen Jam im Schlussteil von 'Look At Yourself', dass diejenigen, die ihn immer mangelnder musikalischer Kompetenzen bezichtigt haben, sich schleunigst zum Schämen in ein dunkles Loch verziehen sollten. Sein flüssiges Gitarrenspiel ist einder der wichtigsten Garanten für den kompakten und unglaublich dichten Bandsound. Dazu die göttlichen Chorgesänge, die andere mit den Fischerchören nicht hinbekämen.

Uriah Heep werden zwar vermutlich keine ganz neuen Fangenerationen erschließen können, aber sie beweisen mit den Veröffentlichungen der letzten Jahre, dass sie ihren Zenit noch lange nicht überschritten haben. Vermutlich liegt die beste Uriah Heep Platte aller Zeiten noch in der Zukunft - und das sage ich, obwohl ich "Demons & Wizards", "The Magician's Birthday" und "Return To Fantasy" kenne und liebe. Aber dieser göttlichen Besetzung, Mick Box, Bernie Shaw, Russell Gilbrooke, Trevor Bolder, Phil Lanzon, traue ich das Unmögliche zu! Ken Hensley hatte sich eben geirrt, als er vor wenigen Jahren fabulierte: "Is Phil Lanzon a great keyboard player? Yes, he is. Can he replace me? No, he can't." Da hat sich Ken getäuscht - und das nicht zu knapp. Uneingeschränkte Kaufempfehlung für diese famose Live CD/DVD!

Frank Scheuermann






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