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Hardrock Legends Vol. 1 Rockpalast 1980

Label: Made in Germany (MIG) (2010)

Mittlerweile in ihrem 40. Jahr bestehen die britischen Hardrockdinosaurier von UFO. Als dieses Konzert im Herbst 1980 mitgeschnitten wurde, hatte die Band bereits fünf Gitarristen an Bord gehabt (Mick Bolton, Larry Wallis - ex-Pink Fairies, Bernie Marsden - ex-Babe Ruth, Michael Schenker - ex-Scorpions und nun Paul Chapman - ex-Lone Star) und diverse Keyboarder. Der Rest der Band (Phil Mogg - Vocals, Pete Way - Bass, Andy Parker - Drums) war zumindest bis dahin sehr stabil. Etwa ein Jahr zuvor hatte die Band den bisher herbsten Verlust ihrer Bandgeschichte hinnehmen müssen: Das deutsche Gitarren-Wunderkind Michael Schenker hatte die derben Späße seiner Bandkollegen satt, die häufig unter Ausnutzung seiner massiven englischen Sprachprobleme gemacht wurden, und war ins heimische Hannover zu seinem großen Bruder Rudolf on den Scorpions zurückgekehrt. Als Ersatzmann holten die Raumschiffexperten den Waliser Paul Chapman wieder an Bord, der bereits in den Jahren 1974 und 1975 als zweiter Livegitarrist neben Schenker auf der Bühne gestanden hatte und daher mit dem Repertoire noch recht gut vertraut war. Das Songmaterial änderte sich unter Chapmans Einfluss aber vor allem dem Zeitgeist geschuldet ein wenig: Ein wenig weg von der reinen Hardrocklehre, hin zu prägnanteren und kürzeren Songs mit größerem Hitpotential. Anfangs ging diese Rechnung auch perfekt auf, jedoch waren die Rock & Roll Tiere der Band (allen voran der unglaubliche Pete Way!) so unzufrieden mit dieser Entwicklung, dass die Band mittelfristig daran zerbrach und lange brauchen sollte, um sich davon zu erholen.

Im Herbst 1980 war davon aber zunächst einmal überhaupt nichts zu spüren. UFO legten eine Setlist hin, die alle Fans befriedigt haben dürfte. Gegenüber der vorherigen Tour waren wieder mehr Songs aus der Schenker Ära an Bord, dazu Songs von "No Place To Run" (1980) und bereits mit "Long Gone" eine Ahnung dessen, was ein Jahr später mit "The Wild, The Willing And The Innocent" auf die Fans zukommen sollte. Im Gegensatz zu Michael Schenkers schwarz-weiß lackierter Gibson Flying V Gitarre bearbeitet Paul Chapman eine der damals so angesagten BC Rich Bich Gitarren. Wenn mn einmal von seiner etwas hölzernen Bühnenpräsenz absieht, ist er wohl der zweitbeste Gitarrist nach Schenker, der jemals in dieser Band gedient hat. Warum man nicht auf ihn zurückgegriffen hat, als Schenker sich zum letzten Mal aus der Band verabschiedet hat, wird mir auf alle Zeiten verschlossen bleiben. Sich statt dessen einen ziemlich gesichtslosen (wenngleich handwerklich perfekten) Shredder wie Vinnie Moore einzufangen, will mir nicht so recht in die Birne. Jedenfalls brannte die Band mit dem damals frisch dazu gekommenen Neil Carter (Keyboards, Rhythmusgitarre) noch regelrecht vor Leidenschaft - vor allem Pete Way ist dies anzumerken, der bis zur völligen Verausgabung alles aus sich herausholt und eine Weile sogar auf der Bühne liegen bleibt.

Für mich ein ganz wichtiges Zeitdokument, dessen Fehlen mir bislang immer ein schmerzlicher Verlust war. Nun hat mein 30 Jahre währendes Warten auf diesen Konzertmitschnitt, den ich damals live an der Glotze gesehen habe, endlich ein Ende. Alleine dafür meinen herzlichsten Dank an die Leute von MIG! Weiter so. Und wer wissen will, wie gut MSG, die Band des ehemaligen UFO Gitarristen zeitgleich war, der hole sich am besten gleich noch "Hardrock Legends Vol. 2 MSG" aus der gleichen Reihe. So muss geiler Hardrock klingen und keinen Deut anders!

Frank Scheuermann






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