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The Lansdowne Tapes (Expanded Edition)

Label: Sanctuary Records (2002)

„Leckerlis aus der Versenkung“ könnte man einen Teil der Veröffentlichungspolitik von Sanctuary durchaus nennen! Mit der im Vergleich zum 1993er Release dramatisch erweiterten Neufassung der Lansdowne Tapes liefert man ein ordentliches, schön aufgemachtes Stück Musikgeschichte mit über 2,5 Stunden Spielzeit ab. Enthalten sind Alternativversionen und unterschiedliche Mixe von Songs, welche der Insider von diversen Alben und Compilations bereits kennt. Für diejenigen, die noch nie die Gelegenheit hatten, die seit Jahren vergriffenen CDs zu erstehen, denen eröffnet sich ein höchst interessantes Bild: als die Band Spice 1969 in Viererbesetzung (David Byron-vocals, Mick Box - guitars, Paul Newton - bass, Alex Napier - drums) ins Studio ging, lieferte sie eine progressive, stark von Jazz beeinflusste psychedelische Melange ab (‚Magic Lantern‘), der nur mit größter Mühe und ausgeprägter prophetischer Gabe eine spätere Ansiedlung der gleichen Musiker im Heavy Metal-Pionierbereich anzuhören war. Der entscheidende Moment war die Integration eines festen Keyboarders und zweiten Gitarristen in Person von Ken Hensley, der ebenso über ein schier unglaubliches Talent als Songschreiber verfügte. Immer noch eine Progressive-Band, wurde der Sound jedoch im Laufe der nächsten Jahre immer härter und die Uriah Heep-typischen Trademarks (Hammond, fetter Chorgesang, wie er zuvor im Rockbereich noch nie zu hören war, und ein überaus effektvoll eingesetztes Wah-Wah-Pedal) traten immer mehr in den Vordergrund. Wenn sich jemand über den engen Tellerrand eines inspirationslosen Heavy-Durchschnittsgeschmack erheben möchte, dann kommt er bei dieser Neuausgabe (gegenüber dem Original von ’93 um 19(!!!!!!!) Songs aufgestockt) nicht vorbei. Die Songs decken die Übergangsphase von Spice zu Uriah Heep und deren erste drei Alben (inkl. Outtakes) ab, also „Very 'eavy...very 'umble“, „Salisbury“ und „Look At Yourself“ab. Die Aufnahmen wurden zum Teil erst kürzlich in diversen Gartenlauben, auf Speichern und in Kellern entdeckt. Den Fan stimmt es hoffnungsvoll, wenn Robert M. Corich, der sowohl in puncto Mix als auch in Sachen Liner notes verantwortlich war, darauf verweist, dass auch Live-Bänder aus der Frühphase von Uriah Heep (ca.1970/71) aufgetaucht sind. Hoffen wir auf eine baldige Veröffentlichung! Kompliment an Sanctuary: sowohl der Sound als auch die Aufmachung sind erste Sahne!

Frank Scheuermann






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