Reviews

Glow

Label: Copro Records (2004)

Unjust, hat diesen Namen schon mal irgendjemand gehört? Nein. Schade, ich auch nicht. Diese Band aus San Francisco hat wirklich das Potential die Rockwelt auf den Kopf zustellen, nur leider wird das bei einem kleinen Label wohl nicht der Fall sein. Nun ja jedenfalls bringt das Quintett aus den Staaten mit „Glow“ bereits das dritte und vielversprechenste Album auf den Markt was ich in den letzten Monaten gehört habe. Fangen wir aber einmal ganz vorne an…

Der erste Track ‚Paper Planets’ fungiert als herrlich ruhiges, atmosphärisches und melodiöses Intro. Durch einen wahnsinnigen Schrei wird die Ruhe gebrochen und der erste Song ‚Throwin Pennies’ eingeleitet. Scheint als wäre der Scream die Initialzündung gewesen, denn ab dieser Sekunde an ist nichts mehr von der ruhigen Stimmung übrig. Unjust brettern mit ihrer Art Rockmusik volle Kanne nach vorne und vergessen dabei jegliche Spartengrenzen. Allein in ‚Throwin Pennies’ zeigen sie ihre Musikalität durch hartes aber durchaus melodisches Riffing, wunderbar zarte und aggressive (die erwähnten Screams) Vocals und einem grandiosen Zwischenpart, der erneut das Thema des Openers aufgreift und noch einen Schuss Leid hinzupackt, natürlich wird auch diese Stille durch einen tiefen Schrei gestört und abgelöst, einfach genial. In ‚Way Out’ bietet sich ein anderes Bild, hier steht eindeutig die depressive Stimmung im Vordergrund, die durch akustisch angehauchte Gitarren, bombastische Keyboards und einem absolut genialen Sänger Paul Mendoza geradezu perfekt rüberkommt. Im Refrain allerdings geht es wieder rockig zur Sache und man kann den Zuhörer das erste Mal beim mitsummen erwischen. ‚Tired’ verspricht allein vom Titel her eine ruhige Nummer zu werden, aber genau das Gegenteil ist der Fall: metallische Gitarren, emotionaler Gesang und einem bis zum Umfallen mitsingbaren Chorus machen ‚Tired’ zu einem wahren Highlight des Silberlings. Das die Stimmung von einem Song zum anderen wechselt scheint auch beim mittlerweile fünften Song klar, aber innerhalb eines Songs haben Unjust bislang noch keine krassen Wechsel vollbracht, das soll sich mit ‚Facepaint’ aber verdammt schnell ändern. Im fünften Track gibt es eine wahre Berg- und Talfahrt, denn die Stimmung schlägt quasi im Sekundentakt von totaler Trauer in rasende Wut um. Ähnlich geht es auch in ‚Meantime’ zur Sache, nur das hier die musikalische Inszenierung für die Stimmungswechsel maßgeblich verantwortlich ist und nicht so stark die Vocals wie bei ‚Meantime’. Dass Unjust auch komplett ruhig sein können beweisen sie in der unter die Haut gehenden Ballade ‚Closure’. Nun aber wieder zur Rockmusik und einem weitern Hit. ‚Knuckles’ ist der wohl eingängigste Song dieses genialen Albums, denn er hat einfach alles was ein Rockklassiker haben muss: einen klasse Drummer und damit einen in den Nacken gehenden Rhythmus, einen durch und durch gehenden Refrain und eine nicht mehr aus dem Ohr gehende Melodie. So mehr möchte ich Euch erstmal nicht verraten.

Bleibt mir nur noch anzumerken, dass Unjust die beste Rockband sind, die mir in den letzten paar Monaten, wenn nicht sogar Jahren, in den CD-Player gekommen sind. Ich hoffe nur ihr Album „Glow“ findet den Anklang den es verdient. Unjust hätten es wirklich verdient im Biz ganz weit nach oben zu kommen.

Nils Manegold






Rock & Pop Tickets bei www.eventim.de