Reviews

The Boring Years

Label: Eat The Beat Music (2005)

Union Youth kommen aus Bad Bentheim und haben nach einigen Turbolenzen auf ihrem Karriereweg endlich die Veröffentlichung der zweiten Platte geschafft. Die Jungs hatten am Anfang ihrer Karriere die Auswahl zwischen dem Fred Durst Label Flawless und Geffen Records, haben sich dann aber für die deutsche Plattenfirma Eastwest entschieden. Leider wurde Eastwest umstrukturiert und das Quartett stand ohne Vertrag da. Glücklicherweise gab es eine Abfindung, die für die Produktion der aktuellen Langrille reichte. Es war sogar soviel Geld, dass man den geplanten Produzenten Michael Ilbert engagieren konnte, der seine Erfahrung in den Tonträger einbringen konnte, wie er es bereits bei den Hellacopters, Cardigans und einigen anderen getan hatte.

Was die Vier scheuen ist der Vergleich mit Nirvana, der scheinbar zu oft gezogen wurde, dennoch hat sich ein kleiner Hauch der alten Schule aus Seattle in der Musik bewahrt, aber sonst ist etwas sehr eigenständiges und rockiges entstanden, das bereit ist neue Fans zu erobern. ‚Yeah’ ist der erste Track auf dem Silberling und gleichwohl das Motto der Scheibe. Ein richtiges Gitarrenfeuerwerk wird in ‚About This Ride’ mit dem immer wiederkehrenden Wörtchen „Fuck“ abgefeiert, dennoch fehlt etwas und das ist ein der zugehörige Refrain. Das Tempo ist nicht durchgängig so schnell wie es der eben genannte Titel glauben machen will, denn auch Balladen werden gerne auf Rockscheiben gepresst und so hat ‚I Would Swear If I Could’ seine Daseinsberechtigung als Nummer 6. Gefühlvoll und etwas grungig wird gesoftrockt bis der Arzt kommt. Ein eingestreutes Gitarrensolo rundet das längste Werk des Albums ab und zeigt das Können der Bad Bentheimer, die in dem Song offensichtlich doch etwas mehr aus Seattle importiert haben, als sie meinen. Der Gesang ist Mitschuld an diesem ewigen Vergleich, denn Sänger Maze hat eine gewisse Ähnlichkeit zu Kurt oder auch Wes Scantlin von Puddle Of Mudd. Schlecht ist der Einfluss keinesfalls, auch wenn die Band sich dadurch etwas zu uneigenständig fühlt, denn Qualität setzt sich aus ihrer Sicht durch und die ist durch die Vorbilder auf jeden Fall gegeben.

Wer auf ein Stück ehrliche Rockmusik Lust hat, die einen leichten Nirvana Touch hat, wird von Union Youth gern zu Tisch gebeten.

Winfried Bulach