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You Are Here

Label: SPV (2004)

Jawoll! Ich hatte recht! Alle anderen haben sich geirrt! Hurra, hurra, hurra! Und jetzt ne Flasche Schampus aufs Haus! Doch erst einmal der Reihe nach, damit ihr meinen Freudentaumel auch verstehen könnt:

Vor einigen Monaten kursierte das Gerücht, dass Michael Schenker wieder einmal UFO verlassen habe. Ganz abgesehen davon, dass er hiermit sein Gespür für Traditionen erneut unter Beweis gestellt hat, hat er mir und meinen Kumpels eine längere Diskussion aufgetischt: Ist das britische Hardrock-Sternenschiff ohne den Hannoveraner Gitarristen überhaupt etwas wert? Ich verwies auf die erstklassigen Scheiben mit Paul Chapman (1980-83) und die erste Reunion mit Laurence Archer (1990-92), die ebenfalls tolle Songs hervorgebracht hatte. Die Kumpels betonten, dass die echten Klassiker („Doctor, Doctor“ und „Rock Bottom“) nun einmal vom (ehemaligen?) Blondschopf geschaffen worden seien. Aber mit „You Are Here“ beweisen die in Ehren ergrauten Herren allerdings, dass die entscheidende Keimzelle für geile Songs eben das Gespann Phil Mogg (vocals) und Pete Way (bass) ist. Solange diese Achse steht, können wir alle Veröffentlichungen getrost kaufen, auch wenn mit Michael Schenker der einzig echte Alien nicht mehr an Bord ist. Dabei fügt sich Vinnie Moore erstaunlich in die UFO-Tradition stilvoller Gitarreros ein, obwohl das von einem Mike Varney-Gewächs so nicht zu erwarten war. Die Soli sind nicht überbordend und erstaunlich auf den Punkt. Man wird den Eindruck nicht los, als habe sich Herr Moore monatelang mit alten Schenker-Aufnahmen im Keller eingesperrt, um deren Feeling in sich aufzunehmen. Für eine gesunde Basis dieses Treibens sorgt der zweite Neuzugang in Form von Jason Bonham (drums). Eine echte Sensation allerdings stellt die Rückkehr der Keyboard- und Rhythmusgitarrenlegende Paul Raymond dar, der vor vier Jahren auf Wunsch Schenkers gehen musste (obwohl seine Anwesenheit noch Schenkers Bedingung für eine Reunion drei Jahre zuvor war...die spinnen, die Römer!). Die Songs, die vorwiegend im groovigen Midtempobereich angelegt sind überzeugen auf der gesamten Linie.Genau so hätten sie schon auf „Walk On Water“ oder „Obsession“ stehen können. Mogg’s Soulstimme hat immer noch ein Feeling, das nicht zu imitieren ist und Way ist am Bass eben ein Tier. Wer’s nicht glaubt, soll einfach die nächste Tournee besuchen und sich anschauen, was dieser Kerl mit seinem Gibson Bass treibt. Vielleicht sehen wir uns ja auch bei einem der Gigs! Denn ich schaue mir diese Band in der Form auf jeden Fall an! Pflicht für alle, für die gute Mucke einfach gute Mucke ist! Kaufzwang!

Frank Scheuermann






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